In letzter Zeit habe ich mich mit dem Leben und dem Charakter von Nehemia beschäftigt. Das war ein großer Segen für mich. Gottes Wort bedeutet mir immer mehr; denn ich dringe immer tiefer ein, lese langsamer und bitte Gott aufrichtig darum mir jeden Tag etwas Neues beizubringen.
Die meisten Leser werden Nehemia kennen. Wer ihn nicht kennt, den kann ich nur ermutigen, das gleichnamige Buch selbst zu lesen. Es enthält Lehren und Schätze, die gar nicht alle in einem solchen Artikel angesprochen werden können. Ich möchte hier nur eine Auswahl von Einsichten vorstellen, die Gott mir beim Studium geschenkt hat.
Nehemia verstand es Gelegenheiten zu nutzen. Er hatte eine Haltung, die wir alle haben sollten: Er war auf Empfang eingestellt. Gott konnte zu ihm sprechen und Nehemia war jederzeit bereit Gottes Willen zu tun. Verweilen wir einen Augenblick bei diesem Gedanken! Sind wir auch auf Empfang eingestellt? Sind auch wir bereit zu gehen?
Nehemia misstraute sich und führte ein Leben des Gebets. Diese beiden Charaktereigenschaften beeindrucken mich. Während das Schicksal seines Volkes schwer auf ihm lastete, ruhte er doch gleichzeitig im Vertrauen auf Gottes Zeitplan. Eines Tages dann gab ihm der König die Gelegenheit: Er durfte sich öffnen und sein Herz ausschütten. Die Reaktion Nehemias darauf finde ich besonders beeindruckend: »Da sprach der König zu mir: ›Was erbittest du denn?‹ Da flehte ich zu dem Gott des Himmels. « (Nehemia 2,4) Ganz kurz und einfach. Doch das ist das Geheimnis seines ganzen Glaubenslebens. Er war sich bewusst, wie sehr er bei jedem Schritt Gottes Führung brauchte, und das nicht nur in der Versuchung, sondern auch wenn sich die Gelegenheit ergibt, das weiterzusagen, was er bereits als Gottes Willen erkannt hatte. Sofort betete er. Nicht einen Augenblick verließ er sich auf seine eigene Kraft. Bevor er es wagte, dem König zu antworten, schickte er ein Stoßgebet zum Himmel. Und Gott schenkte ihm alles, worum er bat, ja alles, was er sich ersehnte.
Nehemia wusste sich nicht deshalb von Gott abhängig, weil er sich in einer besonderen Lage befand. Nein, er war in einer besonderen Lage, weil er sich von Gott abhängig wusste. Viele von uns übersehen das. Wir sind bereit, Gottes Willen zu tun – aber nur, wenn Gott etwas Großes von uns erwartet. Was aber, wenn er einfach nur möchte, dass wir uns ihm in dem Moment ausliefern, wo wir gerade versucht werden? Aus irgendeinem Grund übersehen wir dann so leicht, dass wir Gott brauchen und nehmen das Steuer selbst in die Hand.
Oben am Hang über unserem Haus habe ich einen besonderen Platz. Dort laufe ich oft hin, wenn ich ein wenig Bewegung brauche oder einen Spaziergang mit unserem Hund mache. Der Platz befindet sich auf einem alten Forstweg. Es ist eine Stelle, von der aus man einen wunderschönen Ausblick auf das Tal, den See und die Berge hat. Abends kann man hier grandiose Sonnenuntergänge bewundern. Ich habe mir einen Stein dort hingestellt, auf dem ich oft sitze und für ein paar Minuten das Panorama genieße. Die Schönheit von Gottes Schöpfung lässt mich immer an sein wunderbares Wesen denken. Ich nehme mir Zeit mit ihm zu reden und auf ihn zu hören. Jedes Mal sind es besondere, ungestörte Minuten gewesen – mit einer Ausnahme:
Ich hatte mich gerade hingesetzt und genoss wie immer die Stille, als ich plötzlich meinen Bruder Josiah pfeifen hörte. Zwar war das Ganze ein scheinbar völlig unbedeutendes Ereignis. Es zeigt aber, wie eigenartig wir Menschen reagieren! Ehrlich gesagt, meine ersten Gedanken waren: Was will er denn? Ich bin gerade erst angekommen und entspanne mich. Ich möchte nicht gestört werden. Das Ironische war, dass ich doch vermeintlich gerade in diesem Moment dabei war mich auf Gottes Geist einzustellen. Müsste ich seinen Willen da nicht eigentlich um so bereitwilliger tun wollen? Leider überhören wir oft seine Wünsche, weil wir uns zu sehr um uns selbst drehen, auch während wir Gutes tun.
Ich stand auf und machte mich auf den Weg nach unten. Doch es widerstrebte mir, diese persönliche Zeit nicht wegen einer Lappalie abzubrechen. Jetzt pfiff er wieder. Ich rief zurück: »Was willst du?« Keine Antwort. Das war eine echte Versuchung für mich. Ich weiß zwar aus Erfahrung, dass der Schall sich viel besser bergauf fortpflanzt als bergab. Schließlich wohne ich schon fast solange ich denken kann in den Bergen. Dennoch dachte ich: Er hat mich bestimmt gehört und antwortet trotzdem nicht. Dann pfiff mein Vater. Was wollen sie bloß?, fragte ich mich. Ich rannte los und versuchte durch Rufen herauszufinden, wo sie waren. Aber es kam keine Antwort. Sie pfiffen nur weiter nach mir.
Ich lief zwar hinunter, um herauszufinden, was sie wollten. Aber innerlich kämpfte ich: Warum müssen sie mich stören? Kann ich nicht mal ein paar stille Minuten genießen? Ich wusste, dass meine Gedanken und Gefühle nicht richtig waren, dennoch war ich versucht, die Einladung des Heiligen Geistes mit Argumenten zu entkräften. Ich empfand meine Gefühle als gerechtfertigt. Schließlich hatte ich mir gerade Zeit für Gott genommen und es hätte mir sehr gut getan, wenn man mich darin nicht gestört hätte. Doch darum ging es ja gar nicht. Es ging vielmehr darum, ob ich bereit war, jeden Augenblick zu tun, was Gott will. Er wollte einfach nur, dass ich mich ihm gebe und die Gedanken loslasse, die mich versklaven wollen. Jeder kann sich bestimmt auf die eine oder andere Weise in dieser Situation wiederfinden. Diese mentalen Kämpfe geschehen täglich in unserem Leben in den unterschiedlichsten Situationen. Ich entschied mich schließlich dafür aufzugeben, weil ich weiß: Echtes Glück und wahren Frieden finden wir nur, wenn wir uns Jesus Christus ganz geben.
Dann sah ich kurz unser Auto unten an der Straße. Jetzt war meine Neugier wirklich geweckt. Ich hörte noch ein paar Pfiffe und rief: »Ich komme!«, wusste aber immer noch nicht, was los war. Doch ich war froh, dass ich losgelassen hatte. Denn das wollte der Herr von mir in diesem Moment.
Josiah steckte den Kopf aus dem Fenster und fragte: »Willst du einen großen Elchbullen sehen?« Sie hatten nämlich auch einen Spaziergang gemacht und dabei einen Elch entdeckt. Nachdem sie ihn eine Weile beobachtet hatten, dachten sie an mich. Sie wussten, ich würde ihn auch sehen wollen. Da ich aber auf dem Berg war, fingen sie an nach mir zu pfeifen. Meine Antwort hatten sie überhaupt nicht gehört. Jetzt war ich wirklich sehr dankbar, dass ich losgelassen und meine ungehaltenen Gefühle aufgegeben hatte. Tatsächlich bekamen wir den Elch noch einmal zu Gesicht! Er war ein Stück im Wald weitergelaufen. Wir stiegen aus dem Auto und beobachteten ihn einige Minuten.
Wer bereitwillig folgen will, muss etwas dafür tun. Als ich Nehemias Leben und Charakter studierte, begegnete mir diese Bereitschaft immer wieder. Als Motto für Versuchungssituationen empfehle ich die heldenhafte Aussage Nehemias: »Ich habe ein großes Werk zu verrichten, darum kann ich nicht hinabkommen. Warum sollte das Werk stillstehen, wenn ich es ruhen lasse und zu euch hinabkomme? « So sollten wir jeder Versuchung begegnen: »Ich werde Jesu Wunsch sofort erfüllen. Warum sollte ich statt dessen der Versuchung nachgeben?«
Treu ist er, der euch beruft; er wird es auch tun. (1. Thessalonicher 5,24)
Was für eine Verheißung! Wir wollen also auch treu sein und seinen Willen tun.
Emily Waters
Aus A Voice From The Wilderness, November-Dezember 2003, einer Publikation von Restoration International Inc. 1550 Mountain Meadows Rd. KALISPELL, MT 59901, USA 001 (406) 756-8844, Fax: -8848
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www.restoration-international.org
Aus der Zeitschrift "Unser festes Fundament " ( 4. Ausgabe 2004 )
Herausgeber:
hoffnung weltweit e.V.
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Deutschland
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