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Erweckung beginnt in der Familie

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Jesus erzählte einmal ein Gleichnis von einem reichen Mann und einem Armen namens Lazarus. Die folgende Geschichte ist ganz ähnlich. Wenn du sie liest, dann denke daran, dass auch sie bloß ein Gleichnis ist, so wie Jesus Gleichnisse benutzte, um etwas Wesentliches zu illustrieren.

Es war einmal ein Mann, dessen höchstes Lebensziel es war, reich zu werden. Er war sehr erfolgreich, und an seinem Lebensabend beschloss er, seinen Reichtum mit sich zu nehmen, wenn der Herr ihn „heimrufen" würde. Also veräußerte er seinen gesamten Besitz und kaufte dafür Gold, das er in einen großen Koffer legte.

Und tatsächlich geschah es bald darauf, dass der Herr ihn „heimrief". Als er bei den Perlentoren ankam, so die Geschichte, wurde er von Petrus begrüßt. Als Petrus den Koffer sah, sagte er dem Mann, es sei verboten, irgendetwas hineinzunehmen; jeder müsse gerade so kommen, wie er ist. Der Mann war ganz aufgelöst und bat inständig, ob in seinem Fall nicht eine Ausnahme möglich sei. Petrus versprach zu tun, was er könne. Der Engel im Tor, der die Neuankömmlinge registrierte, wurde aufmerksam und fragte Petrus, was das Problem sei. Petrus erwiderte, der Mann am Eingang würde gern etwas mit sich nehmen.

„Was hat er denn dabei?",fragte der Engel, worauf Petrus antwortete: „Pflastersteine."

Der Punkt der Geschichte ist, dass Gold im Himmel eigentlich keinen Wert mehr hat – sogar die Straßen sind damit gepflastert. Oder anders gesagt: Was uns hier wertvoll ist, hat dort nur wenig Wert, und was dort kostbar ist, ist uns hier meist eher unwichtig. Und damit, lieber Leser, komme ich zum Kern dieses Artikels: zum Thema Familie.

Die Familie wird bekämpft

Die Schöpfungswoche fand ihren Abschluss mit zwei wesentlichen Einrichtungen: Das war zum einen natürlich der Sabbat, zum anderen die Familie. Uns war immer bewusst, dass Satan alles unternehmen würde, den Sabbat auszuhöhlen. Doch wer hätte gedacht, dass er auch die Familie, das Fundament aller menschlichen Beziehungen, so angreifen würde?

Die Weltgemeinde hat sich Erweckung und Reformation auf die Fahne geschrieben. Als ich die sieben Punkte des „Aufrufs zu Erweckung und Reformation" las, der 2010 in der Herbstsitzung der Generalkonferenz verabschiedet worden ist, fiel mir auf, dass zwar zu einer Neubelebung und Reformation im persönlichen und im Gemeindeleben aufgerufen wurde, sich aber nichts auf der Liste befand, das die Notwendigkeit einer Erweckung und Reformation in unseren Familien hervorhob.

Echte Erweckung beginnt in der Familie

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Gemeinde aus Familien besteht und letztlich nur das widerspiegelt, was diese Familien ausmacht. Wir werden erst dann Erweckung und Reformation in der Gemeinde erleben, wenn wir sie vorher in der Familie erfahren haben.

Die Verheißung einer Neubelebung

Der letzte Vers im letzten Kapitel des Alten Testamentes enthält das Versprechen:

Mal 3,23 SCH Siehe, ich sende euch den Pro­ pheten Elia, ehe der große und furchtbare Tag des Herrn kommt;
24 und er wird das Herz der Väter den Kindern und das Herz der Kinder wieder ihren Vätern zuwenden, damit ich bei meinem Kommen das Land nicht mit dem Bann schlagen muss!

BEcho, 1.3.1897 [Der Herr] möchte, dass die Reformation zu Hause beginnt, bei den Vätern und Müttern; dann wird die Gemeinde das Wirken des Heiligen Geistes spüren. Der Ein­ fluss dieser Veränderungen wird die Gemein­ de durchziehen wie ein Sauerteig.

Sünde beim Namen nennen

An einem Sabbat hielt ich ein Seminar und fragte die Versammlung, was die größte Herausforderung in ihrem persönlichen Leben sei. Ein Bruder, der weiter hinten saß, meldete sich und antwortete: „Wie Jesus zu sein.“ Obwohl das natürlich richtig war, lächelte ich und fragte ihn, was er damit meint. „Sein Bild widerzuspiegeln“, erwiderte er. Wieder bohrte ich nach und bat ihn, das in Alltagssprache zu erklären, und diesmal formulierte er so, dass jeder etwas damit anfangen konnte: „Mit meinem Enkel auszukommen.“

Zu häufig sehen wir das Glaubensleben wie durch eine theoretische Brille und tun uns schwer damit, ganz praktisch zu beschreiben, was es heißt, Jesu Bild zu reflektieren. Wenn mich jemand fragen würde, unter welchen Umständen es am schwierigsten ist, sich als Christ zu verhalten, käme ich nicht umhin zu sagen: in der Familie. Wir schaffen es recht oft, anderen Leuten etwas vorzumachen, und wir bekommen es ständig hin, uns selbst etwas vorzumachen, aber die eigene Familie durchschaut uns auf Anhieb.

Eindringende Weltlichkeit

Praktisch betrachtet ist das Problem, dass viele adventistische Familien sich mittlerweile am Vorbild der Welt orientieren. Das ist nicht neu. Das Alte Testament ist mehr oder weniger der Bericht davon, was passierte, als die Kinder Israel die Kultur der Nachbarländer aufsaugten und sich mit ihrer Umgebung vermischten.

Unsere Gemeinden verändern sich, weil ihre Familien sich verändert haben. Früher ging eine Familie zum Gottesdienst, um die Schrift zu studieren und durch gegenseitige Zeugnisse zu lernen, was es bedeutet, als Christ zu leben. Heute scheint es eher, dass wir unsere Lebensweise zu Hause auch in die Gemeinde exportieren.

Bei jungen Leuten veranschauliche ich das gerne, indem ich einen Schwamm und einen Spiegel mitbringe. Ich muss sie nur hochhalten und die Kinder fragen, was der Unterschied zwischen beiden ist. Fast augenblicklich geht eine Hand hoch und die Antwort kommt, dass der Schwamm etwas aufnimmt, während der Spiegel etwas zurückwirft. Genauso sind auch Menschen: Sie spiegeln wider, was sie zuvor aufgesaugt haben.

Die Werte und Sitten des Zeitgeistes sind mehr und mehr zu den Werten und Sitten der Familie geworden – ganz entgegen dem Gebet von Jesus:

Joh 17,15 Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen.

Lest einmal während der Familienandacht die folgenden Texte zusammen und fragt euch, was genau das Wort „Welt“ bedeutet und welche Rolle das für euer Heim spielen könnte:

1Joh 2,15 Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt lieb hat, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm.

Jak 4,4 Ihr Ehebrecher und Ehebrecherinnen, wisst ihr nicht, dass die Freundschaft mit der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer also ein Freund der Welt sein will, der macht sich zum Feind Gottes!

Vor etlichen Jahren musste ich dienstlich von Zeit zu Zeit nach Afrika reisen. Es war in Sambia, wo ich zum ersten Mal einen Leprakranken sah. Wahrscheinlich hast du schon Bilder gesehen von Männern oder Frauen, denen Finger fehlen. Ich hatte immer gedacht, durch Lepra würden die Finger abfallen, aber das ist gar nicht so. Die Krankheit nimmt einfach das Schmerzempfinden weg, sodass der Betroffene irgendwann seine Finger sogar ins Feuer halten kann, ohne die Miene zu verziehen. Die Liebe zur Welt ist wie Lepra – sie betäubt das Gewissen. Eine Familie, die sich nach der Welt ausrichtet, wird früher oder später ihr Feingefühl für geistliche Dinge verlieren. Und selbst wenn die Familienmitglieder die Gemeinde nach wie vor besuchen, werden sie unter dem Strich eine Wirkung wie Sauerteig ausüben.

Vor einigen Jahren erzählte mir ein Freund etwas, das ich nie vergessen habe. Er sagte, die Theologie einer Person sei in der Regel ein Spiegel ihrer persönlichen Moral. Jeder wird von der Weltanschauung angezogen, die seinen eigenen Lebensstil gutheißt und bestärkt. Das heißt: Wenn wir weltliche Einflüsse und Sichtweisen aufnehmen, werden wir Irrtümer so attraktiv finden wie die Biene den Nektar. Könnte es sein, dass Weltlichkeit in der Familie den Weg für Irrlehren in der Gemeinde bereitet?

Das Leck stopfen

An einem Nachmittag im Hochsommer gingen meine Frau und ich in ein Einkaufszentrum. Wir ahnten nichts von dem, was sich in der nächsten Stunde abspielen sollte. Ein schweres Gewitter war im Anzug. Ich weiß nicht mehr, wie lang es schüttete, aber als es schließlich vorbei war, liefen wir zurück zu unserem Wagen und fuhren die wenigen Kilometer zu unserem Heim.

Nachdem wir das Auto in der Garage abgestellt und unsere paar Einkäufe ins Haus getragen hatten, ging ich in mein Arbeitszimmer. Hier erwartete mich eine unangenehme Überraschung: Mein ganzer Schreibtisch war voll Wasser, und die Decke darüber war so durchnässt, dass sie schon anfing, sich abzusenken.

So schnell ich konnte, ging ich zurück in die Garage, ließ die Stufenleiter zum Dachboden herunter und kletterte hoch. Dort stellte ich fest, dass Wasser durch die Isolierung gelaufen und eine Lache auf dem Gipskartonboden gebildet hatte. Ein Blick nach oben verriet mir, wo das Wasser eindrang. Schnell hing ich einen Eimer unter das Leck. Dann warf ich Handtücher auf die Isolierschicht, um das Wasser aufzusaugen. Zurück im Büro nahm ich die Flüssigkeit auf meinem Schreibtisch und anderen Möbeln auf. Zum Glück konnte ich, als alles getrocknet war, den ganzen Schaden reparieren. Und um auf Nummer sicher zu gehen, ließ ich später ein neues Dach decken!

Was bei jenem Gewitter passierte, ist ein gutes Bild dafür, was heute in vielen adventistischen Familien geschieht und dadurch auch die Gemeinden beeinflusst. Hätte ich nicht umgehend einen Eimer unter das Leck platziert, wäre die Decke über meinem Arbeitszimmer eingestürzt. Auch in unseren Familien und Gemeinden kann es erst dann zu Erweckung und Reformation kommen, wenn das Leck abgedichtet und der Schaden repariert worden ist. Sind dir Bereiche in deiner Familie bewusst, wo geistliche Lecks gestopft werden müssen?

Den Schaden aufräumen

Das Erste ist, dass die Familienmitglieder bereuen und Versöhnung suchen müssen. Unsere „Feinde“ sind oft nicht in einem weit entfernten Land oder am Ende der Straße, sondern womöglich direkt in der eigenen Familie.

Eines Sabbats fragte mich ein Bruder nach meiner Predigt, ob ich für die gesundheitlichen Probleme seiner Mutter beten würde. Ich sagte zu. Gemeinsam mit der Mutter kamen alle Familienmitglieder in einen Sabbatschulraum. Ich schlug der Familie vor, dass, bevor wir den Herrn baten, ihre Mutter körperlich zu heilen, wir ihn bitten sollten, auch die geistlichen Nöte zu heilen, die in der Familie vielleicht existierten. Dann fragte ich, ob es zwischen ihnen irgendwelche geistliche Probleme gäbe. Nach einer kurzen Pause bekannte einer der Söhne, dass er Groll habe. Darauf sagte ich, es sei wichtig, Gott zuerst um Heilung für den Groll in der Familie zu bitten und dann für die Mutter zu beten.

Betty und ich sind seit über 50 Jahren verheiratet. In diesen Jahren habe ich gelernt, dass meine Beziehung zu Gott mit meiner Beziehung zu Betty verknüpft ist und dass mein Verhältnis zu Betty Auswirkungen auf mein Verhältnis zu Gott hat. Es ist unmöglich, Jesus nahe zu sein, wenn etwas zwischen Betty und mir steht. Umgekehrt nimmt auch Betty es wahr, wenn mit meiner Beziehung zu Gott etwas nicht stimmt.

Gott hat dem Vater die Aufgabe übertragen, die Familie geistlich zu führen. Satan dagegen wird alles versuchen, das zu verhindern. Ein wirksames Mittel sind die so beliebten Fernseh-Sitcoms. Oft zeichnen sie das Bild einer Familie, wo der Klügste der Hund ist, dann die Kinder und dann die Mutter. Der Vater merkt als Letzter, was läuft. Männer neigen naturgemäß weniger zu Geistlichkeit als Frauen. Die Folge ist, dass die geistliche Leitung oft auf die Mutter zurückfällt. Ergreift die Frau die Initiative, um das Vakuum zu füllen, reagiert der Mann schnell damit, dass er sich ganz herauszieht und passiv bleibt. Und was zu Hause geschieht, spiegelt sich in der Gemeinde wider. Hat hier wohl jemand etwas arg versäumt...?

Sei proaktiv

Ein Freund von mir berichtete mir, ein Bekannter habe ihn gefragt, wie Adventisten den Sabbat halten. Er sagte mir: „Ich erklärte ihm, wir tun das nicht, und wir tun jenes nicht.“ Im selben Moment merkte er, dass Sabbatheiligung eigentlich nicht nur daraus bestehen sollte, was man nicht tut, sondern vielmehr, was man tut!

Mit der Erweckung in unseren Familien ist es nicht anders. Sicher, als Adventisten stehen wir auch dazu, dass wir bestimmte Dinge nicht tun, aber vor allem sollten wir dafür bekannt sein, was wir tun. Jesus ähnlich zu sein, bedeutet doch nicht nur, den ganzen Tag zu versuchen, keinen unreinen Gedanken zu haben. Das ist die eine Hälfte. Aber Jesus war auch ein „Täter“. Statt uns bloß in Selbstbeherrschung zu üben, könnten wir tatsächlich auch etwas Nettes machen. Statt bloß unsere Zunge zu hüten, könnten wir etwas Tröstliches oder Anerkennendes aussprechen.

Wenn wir um Erweckung und Reformation beten, dann beten wir um die Frucht des Heiligen Geistes in unserem Leben. Aber wollen wir diese Frucht wirklich? Nehmen wir an, wir sind gerade im Streit mit unserem Ehepartner. Fühlen wir uns danach, Geduld und Sanftmut zu beweisen? Manchmal wohl nicht. Wenn unsere Kinder uns an unseren empfindlichen Punkten erwischen, ist unsere Gedankenwelt dann sanft und beherrscht?

Eph 4,32 Seid aber gegeneinander freundlich und barmherzig und vergebt einander, gleich­ wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

Befestige das Fundament

Meine Frau und ich gehen oft in der Nachbarschaft auf einem Pfad spazieren, der sich hinter den Häusern langschlängelt und uns nach 1 – 2 km wieder heimführt. Als wir eines Tages auf diesem Rundkurs unterwegs waren, kamen wir an einem Haus vorbei, von dessen Hinterhof uns geschäftiger Lärm entgegenschlug. Ein Zaun versperrte uns allerdings die Sicht auf das hintere Gelände, sodass wir nicht wussten, was dort vor sich ging. Einer der Arbeiter verriet uns, dass sich unter dem Haus ein Krater entwickelte. In Florida passiert es ab und zu, dass sich die Erde absenkt, weil unterirdische Wasserströme poröses Gestein aufgeweicht haben. Besonders bei niedrigem Grundwasserspiegel, wenn es z. B. lange nicht geregnet hat, zieht sich das Wasser aus Höhlungen zurück, und sie brechen unter dem Druck der oberen Erdschichten in sich zusammen. Solche Absenkungen können überall auftreten, manchmal eben auch unter einem Haus.

Warnzeichen für eine mögliche Erdabsenkung sind Risse in den Wänden oder Böden des Hauses oder dass Türen sich nicht mehr richtig schließen lassen, weil der Rahmen sich verzogen hat. Hat sich der Verdacht bestätigt, wird zur Abstützung Verdichtungsmörtel unter das Haus gepumpt. Das war der Grund für den Lärm und die Betriebsamkeit an jenem Haus gewesen. Eine Woche später waren die Maschinen wieder verschwunden. Das Problem war offensichtlich behoben.

Es mag sein, dass in diesen dürren Zeiten des Wartens auf den Spätregen auch in deiner Familie Risse in der Wand oder im Boden aufgetaucht sind. Vielleicht lassen sich die Türen deines Gewissens nicht mehr sauber schließen, sodass Weltlichkeit in dein Zuhause eingedrungen ist und von dort in die Gemeinde. Unsere Familien stehen womöglich in der Gefahr, in einem Erdloch des Teufels zu versinken. Aber Gott hat Abhilfe für diesen gefährlichen Zustand. Wenn wir um Erweckung und Reformation beten, wird er seinen Geist direkt in das Fundament unserer Familie hineingießen und eine Barriere zwischen unserem Heim und den Untergrabungen des Teufels errichten. Gott wird uns so befestigen, dass wir unerschütterlich sind! Der Herr wird unsere Gebete um Erweckung in der Gemeinde hören, weil er unsere Gebete um Erweckung in der Familie hören wird.

Richard O’Ffill
Erweckungsprediger und ehemaliger Abteilungsleiter für Erwachsenendienste, Florida-Vereinigung (USA)

Aus der Zeitschrift "AD - STANDPUNKTE" (24. Ausgabe 2/2014)

Herausgeber:
amazing discoveries e.V.
Postfach 22
90560 Heroldsberg
Deutschland

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