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Kaugummi

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Gleich bei der Kasse war ein Ständer, der zum Bersten mit leckerem Kaugummi gefüllt war. Man durfte sich sogar etwas nehmen, weil die Oma dazu aufforderte! Andrew, drei Jahre alt, fand das Einkaufengehen sonst nicht sehr spannend, doch das hier versetzte ihn in helle Begeisterung. Er wühlte sich immer durch den ganzen Ständer, um auch ja die beiden besten Kugeln für sich und seinen Bruder herauszusuchen. Dies war zu einem festen Ritual geworden, auf das Andrew sich jedes Mal freute, wenn Oma und ich einkaufen gingen.

Leider hatten wir neuerdings entschieden, dass den Jungs der Zucker nicht gut tat und sie deshalb kein Kaugummi mehr essen sollten. Ich musste daher sagen: »Mutti, wir haben beschlossen, dass wir kein Kaugummi mehr kaufen.«

»Was ist denn an Kaugummi so verkehrt?«, fragte sie.

»Es ist wegen dem Zucker, den Zähnen und der Gesundheit.«

»Kannst du es nicht noch ein letztes Mal erlauben?«, bat meine Mutter, denn Andrew hatte das Kaugummi schon in der Hand.

»Nein, er soll es zurücklegen. Tut mir leid, dass ich es dir nicht vorher gesagt habe, Mutti. Wenn ich es jetzt erlaube, wird es beim nächsten Mal um so schwerer.«

Andrew war wirklich lieb. Er bemühte sich sehr zu gehorchen. Er hielt sein Händchen über den Ständer und schaute mich mit flehenden Augen an. Er hoffte, dass ich doch dieses eine Mal noch nachgeben würde.

»Mami, ich möchte gern ein Kaugummi«, sagte er freundlich. Es fiel mir nicht leicht, aber ich schüttelte den Kopf. Als er das Kaugummi wieder zurücklegte, steckte er den Finger in den Mund und die Tränen fingen an zu laufen. Es tat mir im Herzen weh.

Matthew sagte: »Dürfen wir nicht noch ein Mal?«

»Nein«, sagte ich überzeugter, als ich mich fühlte.

Alle schwiegen, als wir zum Auto gingen. Meine Mutter war sehr niedergeschlagen. Die liebe Mutti war zwar nicht einig mit uns, hat uns aber immer unterstützt, wenn wir eine Entscheidung getroffen haben. Sie tat nichts gegen unsere Wünsche, auch wenn es ihr gegen Herz und Verstand ging.
Auf der Fahrt rutschte Andrew aus seinem Autositz und kniete sich im Fußraum hinter meiner Mutter hin. In seiner großen Not fing er an ernst und laut zu Gott zu beten: »Lieber Jesus, ich will Kaugummi! Hilf mir, dass ich kein Kaugummi will. Mama sagt, ich darf kein Kaugummi haben. Ich will aber Kaugummi. Lieber Jesus, ich will Mama gehorchen. Ich will mein Kaugummi! Ich will Mama gehorchen! Ich will mein Kaugummi!«
Und so ging es weiter.

Andrew weinte und betete. Wir alle erlebten seinen Kampf. Matthew weinte aus Mitleid mit seinem Bruder und sich selbst. Meine Mutter weinte still auf dem Beifahrersitz und versuchte sich aus der ganzen Sache herauszuhalten. Und ich war bis ins Mark getroffen. Die Tränen rannen mir über die Wangen. Ich wusste nicht, wie ich meinem Sohn da heraushelfen konnte!

»Andrew, Liebling«, ich legte ihm die Hand auf den Rücken und tröstete ihn, so gut ich konnte. »Setz dich jetzt wieder in den Sitz. Es wird schon alles gut werden, Schatz.«

Er setzte sich wieder in den Sitz, weinte aber noch lange weiter. Am Abend war er immer noch traurig und enttäuscht. Nur die Zeit heilte die Wunden.

Warum ist es so schwer, das Richtige zu tun?

Ich hatte Andrew beigebracht, wie man betet und sich Gott hingibt. Wie so viele Christen wusste er, was richtig ist und wollte gehorchen. Doch seine einzige Kraftquelle war, auf die Zähne zu beißen und seinen widerspenstigen Körper dazu zu zwingen, seine Entscheidung zu respektieren. Instinktiv wusste er, dass Gott die Lösung ist. Er betete. Ich wusste jedoch damals selbst noch nicht, wie Gott uns von Gefühlen frei machen kann, die wir nicht wollen. Deshalb war ich nicht in der Lage, ihm Schritt für Schritt zu zeigen, wie wir uns in der Kraft Jesu für das Richtige entscheiden können.
Gott anzurufen und das zu tun, was Gott sagt, ist die Lösung. Dann kann Gott uns erfüllen, damit wir in göttlicher Kraft gegen die Sünde und das Ich siegen können. Dann verwandelt er unsere Gedanken, Gefühle und Wünsche. Gott wirkt von innen nach außen. Dazu bedarf es nicht nur unserer Übergabe, also der verstandesmäßigen Zustimmung, sondern auch der Kooperation unseres Willens. Für Andrew hätte das bedeutet, sich nicht nur selbst immer wieder Gott auszuliefern, sondern auch seine Wünsche Jesus zu geben. Hätte er sich dann auf die richtigen Gedanken eingelassen, die Jesus ihm geben wollte, so hätte er den Sieg gefunden. Das Kaugummi war nicht der Feind, sondern die Gedanken. Doch damals verstand ich das noch nicht.

Den Blick auf Gottes Geschenke lenken

Heute würde ich Andrew für das gewünschte Kaugummi etwas anderes geben. Dann hätte er sich entscheiden können, mit einem Apfel zufrieden zu sein oder mit einem Saft. Er hätte Gott bitten können, ihm Zufriedenheit zu schenken (Hebräer 13,5). Das hätte den Austausch für Andrew körperlich empfindbar gemacht. Wenn die Sache abstrakt bleibt, ist es für unsere Kleinen sehr schwer, den geistlichen Kampf zu verstehen, in dem wir uns befinden.

Wie viele unserer Kinder bemühen sich ehrlich und aufrichtig darum, zu gehorchen, brav zu sein und das Richtige zu tun, machen aber dieselbe Erfahrung wie Andrew dort im Fußraum hinter dem Beifahrersitz, ohne besonderen Sieg oder Erleichterung zu spüren? Das liegt daran, dass ihre Eltern über Gott Bescheid wissen, ihn aber persönlich nicht so kennen, dass sie ihren Kindern zum Sieg verhelfen können. Wie wichtig ist es, dass wir lernen, wie wir unsere Kinder zur Freiheit von ihren sündigen Wünschen führen und mit Gott in Verbindung bringen können. Wenn sie diese Erfahrung erlangen, werden wir eine lebendige, dynamische und mutige Jugend haben.

So viele Jugendliche möchten mit dem Glauben, den sie kennen, nichts zu tun haben. Warum? Weil sie und ihre Eltern Andrews Kaugummikampf gekämpft haben, und das Jahr für Jahr, bis sie schließlich ihren Glauben aufgeben, ihre Gemeinde, ihre Eltern und manchmal auch sich selbst. Diese Jugend hatte Kaugummi- Wünsche, hat aber nie die Kraft in Jesus gefunden, sie zu überwinden. Wir haben ihnen statt dessen einen verkrüppelten Glauben und den machtlosen Ich-Gott zur Anbetung empfohlen.

Unsere Kinder haben es verdient, dass wir ihnen einen persönlichen Gott bringen und ein Leben mit Power. Wenn wir unsere Gedanken und die unseres Kindes verändern wollen, ist es notwendig, unsere Wünsche zugunsten der Weisheit eines allwissenden Gottes aufzugeben. Dann werden wir große Charakterumwandlungen und Einstellungsänderungen erleben, wie alt wir oder unsere Kinder auch sind. Wir können der Schlüssel sein, der die Schätze des himmlischen Segens für unsere Familie aufschließt.

Sally Hohnberger

Ein gekürzter Auszug aus dem Buch von Sally Hohnberger, Parenting By the Spirit, Pacific Press Publishing Association, Nampa, Idaho (2004), 118-122

Gelesen in Power for Living, einer Publikation von Empowered Living Ministries 157 Turtle Mountain Rd.
Kalispell MT 59901, USA
Tel.: 001 406 755 8300
Fax: 001 406 755 8301

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www.EmpoweredLivingMinistries.org

Aus der Zeitschrift "Unser festes Fundament" (2. Ausgabe 2005)

Herausgeber:
hoffnung weltweit e.V.
Postfach 1339
79373 Müllheim / Baden
Deutschland

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www.hoffnung-weltweit.de

 
 
 
 
 
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