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Die Gebete einer Mutter

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Bekehrungsgeschichte von Emilio Knechtle

Dass ich heute ein Siebenten-Tags-Adventist bin, verdanke ich neben dem allmächtigen Gott den Gebeten meiner alten Mutter, die in der Schweiz lebt.

Ich wurde vor 40 Jahren in Lugano geboren und wuchs unter ärmlichen Verhältnissen auf. Mein Vater war Bankangestellter und meine Mutter vermietete einige Räume unserer Wohnung an Pensionäre, um etwas zum Lebensunterhalt beizutragen. Mein Vater war Katholik; meine Mutter hatte keinen Glauben.

Als ich zwei Jahre alt war, erkrankte ich schwer an einer Blutkrankheit, für welche die behandelnden Ärzte keine Heilung wussten. Sie sagten meiner Mutter, dass ich sterben würde. Eines Tages machte sie die Bekanntschaft einer älteren Dame, der sie von meiner Krankheit erzählte. Sie brachte die Frau mit in die Wohnung und diese kniete an meinem Bett nieder und betete für mich. Dann behandelte sie mich mit kalten und warmen Waschungen und verordnete, mir nur Früchte zu essen zu geben. Während dieser Zeit der Kur erzählte sie meiner Mutter viel von Jesus und der Adventbotschaft, denn sie war eine Adventistin.

Meine Mutter versprach Gott, dass sie ihm ihr Kind weihen wolle, wenn er es wieder gesund mache. Ich wurde gesund und meine Mutter wurde Adventistin. Sie hielt den Sabbat unter schweren Kämpfen und weinte oft, denn der Vater war sehr dagegen. Er wollte, dass ich katholisch erzogen würde. So wurde ich mit der Adventlehre vertraut. Aber ich hatte wenig Interesse für sie, denn die Uneinigkeit im Glaubensleben meiner Eltern gefiel mir nicht und ich hatte den Wunsch, die Welt kennenzulernen. Ich wollte nach Amerika. Der Vater war einverstanden; aber erst musste ich den Beruf eines Bankiers erlernen. Ich besuchte eine gute Schweizer Hochschule und ging dann 1946 nach Amerika. Der Mutter brach fast das Herz. Alles ging nach meinem Wunsch. Ich bekam eine gute Stellung in einer medizinischen Firma, die mich weiter ausbildete und mich in alle Welt sandte. Geld war kein Problem mehr und ich genoss das Leben. Aber in der Schweiz betete eine Mutter für ihr Kind.

Im Jahr 1950 lernte ich eine junge Frau kennen und verlobte mich. Sie stammte aus einem reichen, aber christlichen Hause in New York - Long Island. Ich kam in eine gläubige Familie, in der viel gebetet wurde. Eines Tages bat mich die Mutter meiner Verlobten ins Musikzimmer und fragte mich: „Was bedeutet für dich Johannes 3,16?" Ich wusste auf diese Frage keine Antwort zu geben, denn ich wusste nicht einmal, was da geschrieben stand. Trotzdem gab sie uns die Einwilligung zur Hochzeit, und wir fuhren nach Bermuda in die Flitterwochen.

Ich wurde von meiner Firma beauftragt, die karibischen Inseln zu besuchen. Meine Frau begleitete mich und suchte dort die Methodisten-Kirche auf, und so kam ich mit dem Pastor dieser Kirche in Berührung und ins Gespräch über religiöse Dinge. Dies war der Anfang meiner Bekehrung.

Eines Sonntags bat mich der Pastor, eine Sonntagsschulklasse zu übernehmen. Doch ich weigerte mich, weil ich doch nicht viel von der Bibel wusste. Er ließ nicht nach mit dem Bitten und schrieb mir alle Fragen und Antworten der betreffenden Lektion auf. Ich brauchte nur abzulesen – und es funktionierte.

Auf dieser herrlichen Insel lernte ich die Bibel kennen, indem ich jeden Morgen eine Stunde früher aufstand. Ich las die Worte Jesu: „Ich bin das Licht der Welt." „Ich bin das Brot des Lebens." „In ihm war das Leben." Alle diese Worte drangen tief in mein Herz und ich hatte 1000 Fragen. Eines Abends saß ich allein in der Kirche an der Orgel, und während ich spielte, fühlte ich die Nähe Gottes in besonderem Maße, eine geheime Kraft erfüllte mich. Ich fühlte, es war das Wirken des Geistes Gottes.

In der Schweiz betete eine Mutter für ihr Kind und Gott hörte sie.

Ich hatte den Wunsch, von nun an nur noch für Gott zu leben und wurde ein Gefangener Jesu. Es war sein Leiden und Sterben am Kreuz, das mich überwältigte. Ich hatte viel über Jesus gehört, viel von ihm gelesen; aber das Geheimnis seines Todes bewegte mich am meisten. Wir reden zu viel vom Gesetz, vom Gehorsam usw., aber das Hauptthema unseres Evangeliums sollte Jesu Opfertod sein. Ich wurde eine neue Kreatur in Christus. Er gab mir den Sieg und mein Leben erfuhr eine vollständige Umstellung.

Es ging nach New York zurück. Meine Schwiegermutter freute sich, dass ich nun ein gläubiger Mensch geworden war. Wir kauften uns ein Haus in Connecticut und meine Firma gab mir den Auftrag, mehrere ihrer Filialen zu leiten. Ich kam zu Ruhm und Reichtum und hatte in allem Erfolg. Wollte Satan mich schwach machen, indem mir alles glückte? Wenn ich von New York abends heimfuhr mit der Central Bahn nach Canaan, wo wir nun unser Heim hatten, las ich anstelle der Tageszeitungen meine Bibel. Sagt doch Gott: „So dein Ohr auf Weisheit achtet, so du sie suchest wie Silber und nach ihr forschest wie nach Schätzen, alsdann wirst du die Furcht des Herrn verstehen und Gottes Erkenntnis finden (Sprüche 2,2-4)."

Im Jahr 1957 lernte ich den Evangelisten Billy Graham kennen. Er kam jede Woche in unser Heim und sagte mir, dass ich meinen Glauben und Erkenntnisse auch meinen Mitmenschen mitteilen müsse. Zu diesem Zweck stellte er mir einen jungen Mann als Helfer zur Seite. Bald konnte ich einen jungen Geschäftsmann für Christus gewinnen, der mir nach und nach 20-30 Geschäftsleute in mein Büro brachte, mit denen ich in der Mittagspause über Gottes Wort sprach und die Bibel studierte. Es waren herrliche, gesegnete Stunden. Wahrlich, das Wort vom Kreuz war eine Gotteskraft.

Meine Mutter schrieb mir oft und bat mich immer wieder, doch einmal eine Adventisten-Kirche aufzusuchen. Doch ich tat es nicht; zu viele Vorurteile hinderten mich. Aber ich sandte meiner Mutter die Schriften meines Freundes Billy Graham. Meine Mutter schrieb mir daraufhin nicht – anstelle dessen stand sie eines Tages selber vor mir; aber nicht allein. Sie hatte den Pastor einer ungarischen Siebenten-Tags-Adventisten-Kirche mitgebracht, der mir den Weg der Wahrheit zeigen sollte. Doch ich wollte nichts hören und wurde sehr ärgerlich. Ich bat ihn, mein Haus zu verlassen; ich wollte ihn nie mehr sehen. Traurig, mit Tränen in den Augen, fuhr meine Mutter zurück in die Schweiz.

Jetzt begann für mich eine furchtbare Zeit. Ich verlor meine Stellung. Auch konnte ich nicht mehr beten und war in einer Verfassung, die mich fast zum Wahnsinn trieb. Da wusste ich plötzlich, was mit mir los war. Der Geist Gottes wollte mich in alle Wahrheit leiten und ich hatte mich gegen ihn gesträubt.

Ich ging ans Telefon und rief Br. Solmann, jenen Siebenten-Tags-Adventisten-Prediger, an und bat ihn, noch einmal zu mir zu kommen, da ich ihn unbedingt sprechen müsste. Er war in 15 Minuten bei mir. In seiner stillen, angenehmen Art hörte er mich an und sprach dann mit mir über die Adventbotschaft in einer Art, wie ich sie sonst nicht gehört hatte. Nicht das Gesetz stand im Vordergrund seiner Erklärungen, sondern Christus, der dem Seher auf Patmos die Offenbarung über die letzte Gnadenbotschaft an die Welt enthüllte. Wie Schuppen fiel es von meinen Augen und die Klarheit der herrlichen Botschaft erfüllte mich. Aber noch konnte ich mich nicht zur Taufe entschließen.

Ich hatte ja auch von Ellen G White gehört, vom Geist der Weissagung. Zweifel erfüllten mich, bis ich eines Nachts einen wunderbaren Traum hatte. Jesus stand vor mir in all seiner Lieblichkeit und Herrlichkeit und sagte zu mir mit einer Stimme, deren Klang ich mein Leben lang nicht vergessen werde: „Ellen White ist mein Kind; glaube nur!"

Da fiel die Entscheidung: Ich ließ mich taufen. Danach schrieb ich an Billy Graham: Billy, du hast viel Segen in mein Leben gebracht und jetzt habe ich die große Freude, dir mitzuteilen, dass ich die Gemeinde von Jesus Christus gefunden habe. Ich habe mich taufen lassen und bin jetzt ein Siebenten-Tags Adventist." Billy Graham antwortete mit einem Telegramm: „Emilio, du hättest keine bessere Wahl treffen können. Gott segne dich!"

In der Schweiz hatte eine Mutter für ihr Kind gebetet und Gott hatte sie endlich erhört.

Ich dachte jetzt auch an die Worte eines Liedes, die meine Mutter mir in meine Bibel geschrieben hatte, als ich nach Amerika ging und bedauerte, dass ich sie in den Kämpfen und dem Ringen in den dunklen Tagen nicht gelesen hatte. Sie lauten:

Seele, die von Schmerz umnachtet, trau nur fest auf deinen Gott.
Er will dich nur tüchtig machen durch all diese Angst und Not.
Willst du ganz mit Jesu leben, muss dein eignes Ich vergeh'n.
Willst du nützlich für ihn werden, wird dein Weg durch Sterben geh'n.
Lass dich nur nicht überwinden von des Satans finstrer Macht.
Sieh, des Heilands Wege gingen einstens auch durch dunkle Nacht.
Darum lass die Zweifel flieh'n, halt dich nur an Jesum Christ.
Für sein Kind lässt er geschehen nur was gut und heilsam ist.
Zage nie in dunkler Stunde, zweifle nie an Gottes Wort.
Was er spricht, geht in Erfüllung. Glaube, glaube immerfort.

Von nun an stand ich mit meinem Glauben allein in meiner Familie; sie wüteten gegen mich. Aber ich glaube an Wunder, und dass eines Tages auch meine Frau und ihre Lieben dieser herrlichen Wahrheit folgen werden.

Ich bekam meine alte Stellung wieder und der Erfolg stellte sich wieder ein. Eines Tages kam eine alte Dame zu mir und sagte: „Ich will dir eine Schule schenken, wenn du sie leiten würdest." Es ist eine Knabenhochschule im Staate Connecticut. Sie hatte den Wert von einer viertel Million Dollar. Ich nahm das Angebot an und zahlte noch etwas dazu. Ich eröffnete sie mit 250 Schülern – alles Knaben aus reichen und vornehmen Häusern.

Die Religionsstunden erteilte ich selbst und gab meinen Schülern Unterricht im Lichte des gekreuzigten, auferstandenen und wiederkommenden Heilandes. Vierzehn dieser Jungen stehen vor der Taufe. Die Lehrer meiner Schule, die Eltern meiner Schüler und meine Familie waren gegen mich – aber ich fürchtete mich nicht. Jesus gibt mir Sieg von Woche zu Woche.

Wir haben nicht mehr viel Zeit, der Welt die herrlichen Wahrheiten zu verkündigen. Die letzten Dinge gehen der Entscheidung entgegen. Darum lasst uns wirken, solange es noch Tag ist. Lasst uns die Last für andere fühlen und füreinander beten, dass wir treu bleiben im Kampf um die Krone des Lebens.

Bericht gegeben von Emilio Knechtle am 7.12.1963 in einer Adventgemeinde in Manhattan, New York. Emilio Knechtle war ein sehr geschätzter, adventistischer Erweckungsprediger, dessen Predigten auf Kassetten tausendfach verbreitet wurden. Eine Auswahl davon wurde digitalisiert und kann unter www.missionsbrief.de gehört werden.

Aus der Zeitschrift "Missionsbrief" (Nummer 39 | Sept./Okt. 2013)

Herausgeber:
Helmut Haubeil, Prediger i. R.
Rosenheimerstr. 49,
D-83043 Bad Aibling
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