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Gott mit uns

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Plötzlich merkte er, dass jemand ihm ganz nahe gewesen sein musste. Er spürte, wie sich sein Brustkorb hob und senkte. An etwas davor konnte er sich nicht erinnern. Licht kitzelte seine geschlossenen Augen, bis er sie öffnete und in jenes Gesicht blickte. Bis an sein Lebensende würde er diesen Blick nicht vergessen ...

Die größte Liebesgeschichte aller Zeiten

„Liebe auf den ersten Blick“ ist ein geflügeltes Wort. Fast klischeehaft wird es oft benutzt, um den Zauber des ersten Momentes wiederzugeben, wenn zwei Menschen fühlen, dass da mehr ist als bloße Kameradschaft. Doch nirgendwo sind diese Worte passender als zur Beschreibung der größten und emotionalsten Liebesgeschichte, die je erzählt worden ist. Von Generation zu Generation ist sie weitergetragen worden. Autoren verschiedenster Herkunft und aus unterschiedlichen Zeitaltern haben in 66 Büchern Episoden dieses Beziehungsdramas zusammengetragen, das wir auf den folgenden Seiten nur flüchtig skizzieren können.

Die Rede ist von Gottes unfassbarer Liebe zum Menschen. Diese Geschichte beginnt mit einem Blick – dem Blick des gerade erschaffenen und zum Leben erweckten Adam in das Gesicht seines Schöpfers. Was genau die beiden als Erstes miteinander gesprochen haben, wissen wir nicht, aber wohl, was Gottes Absicht war, als er den Menschen erschuf:

Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich. (1Mo 1,26)

Adam und alle nach ihm sollten Gott ähnlich sein, nicht nur im Aussehen, sondern auch und vor allem im Charakter. Viel hat die Bibel zu sagen über die Eigenschaften und Tugenden Gottes, doch kein Vers bringt es so auf den Punkt wie jener berühmte, den Johannes in seinem ersten Brief formulierte:

Wer nicht liebt, der hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist Liebe. (1Joh 4,8)

Was ist Liebe?

Doch Adam, der gerade erst das Licht der Welt erblickt hatte, war mit der Idee von „Liebe“ noch völlig unvertraut. Er hatte noch keinerlei Vorstellung, was das überhaupt war. Aber wie sollte er charakterlich etwas widerspiegeln, das er gar nicht kannte?

Gott musste ihm erklären, was Liebe ist. Und dazu griff er auf eine Methode zurück, die er seitdem immer und immer wieder angewandt hat: Abstrakte Wahrheiten „begreift“ der Mensch am besten durch Dinge, die greifbar sind.

Und Gott der Herr bildete aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und brachte sie zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde, und damit jedes lebendige Wesen den Namen trage, den der Mensch ihm gebe.
Da gab der Mensch jedem Vieh und Vogel des Himmels und allen Tieren des Feldes Namen; aber für den Menschen fand sich keine Gehilfin, die ihm entsprochen hätte. (1Mo 2,19.20)

Die erste Lektion, die Adam zu lernen hatte, war, dass Liebe ein Bedürfnis stillt: das Bedürfnis nach echter Gemeinschaft. Adam war zwar nicht allein, aber weder der große Elefant noch der schöne Tiger und nicht einmal der intelligente Schimpanse konnten sein Verlangen nach Zweisamkeit stillen. Alle diese Tiere waren zu andersartig. Er brauchte jemanden, der ihm entspricht, ja, ihm ähnlich ist. Als Adam verstand, wonach er sich sehnte, konnte Gott ihn beschenken.

Ein Gegenüber

Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen; und während er schlief, nahm er eine seiner Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch.
Und Gott der Herr bildete die Rippe, die er von dem Menschen genommen hatte, zu einer Frau und brachte sie zu dem Menschen. (1Mo 2,21.22)

Die Frau, die Gott ihm gab, war genau das, wonach er sich gesehnt hatte. Adam hatte fürsorgliche Gefühle für den Spatzen und das Kamel, aber jetzt erlebte er echte Liebe: Dieses Wesen war ihm ähnlich, oder in seinen eigenen enthusiastischen Worten:

Das ist endlich Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch! Die soll „Männin“ heißen; denn vom Mann ist sie genommen! (1Mo 2,23)

Beachten wir, dass die Frau sogar nach dem Mann benannt wurde, um auszudrücken, wie ähnlich sie ihm ist. Das Durchleben dieser fünf Verse lehrte Adam, was Liebe wirklich ist, und damit auch, welche Beziehung Gott sich zum Menschen wünscht. Paulus erkannte diese tiefe Bedeutung, als er schrieb:

„Deshalb wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein.“
Dieses Geheimnis ist groß; ich aber deute es auf Christus und auf die Gemeinde. (Eph 5,31.32)

Bist du verliebt?

Jesus machte eine ganz ähnliche Bemerkung. Allerdings wird dabei oft übersehen, dass er die Beziehung, die Menschen untereinander eingehen, ganz direkt mit der Beziehung vergleicht, die Gott mit uns führen möchte:

Und Jesus sprach zu ihm: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken.“
Das ist das erste und größte Gebot.
Und das zweite ist ihm vergleichbar: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22,37-39)

Wenn Jesus hier sagt, dass wir Gott lieben sollen, dann meint er nicht nur Andacht, Ehrfurcht, Respekt, Gehorsam und Prinzipientreue. Nein, er meint ... Liebe! Und das im eigentlichen Wortsinn und so intensiv, dass man an nichts anderes mehr denken kann („mit deinem ganzen Denken“). In unserer menschlichen Erfahrungswelt nennt man so einen Zustand „verliebt sein“. Bist du verliebt in Gott?

Die Sache mit den Geboten

Noch etwas fällt auf an Jesu Worten. Er, der als Schöpfer (Joh 1,1.3.14) damals auf Adam blickte, setzt diese Liebe mit Gottes Geboten gleich. Nichts könnte weiter weg von unseren traditionellen Vorstellungen sein – und gleichzeitig näher an der Wahrheit. Denn diese Definition ist tatsächlich biblisch:

Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses; so ist nun die Liebe die Erfüllung des Gesetzes. (Röm 13,10)

Gottes Gesetz beschreibt wahre Liebe. Die Charaktereigenschaften, die es offenbart, garantieren ein harmonisches, emotional erfülltes Miteinander. Jeder Angriff auf das Gesetz Gottes – Abschaffung, Veränderung, Vernachlässigung etc. – ist ein Angriff auf die Liebe selbst!

Liebe ist eine Entdeckungsreise

Nachdem Adam Eva begegnet war, wusste er aus eigenem Erleben, was Liebe ist, obwohl seine Entdeckungsreise diesbezüglich noch am Anfang stand. Es gab noch viel mehr zu lernen und zu erfahren. Mann und Frau sollten ganz öffentlich eine dauerhafte Verbindung eingehen und völlig eins werden.

Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen [wörtl. ankleben], und sie werden ein Fleisch sein. (1Mo 2,24)

Was hier beschrieben wird, ist die vollständige Verbindung von Mann und Frau, die nach dem Willen des Schöpfers unauflöslich sein soll. Es war nicht genug, dass sich beide ähnlich waren; sie sollten auch eine tiefe, innige Beziehung führen. Beide hier angesprochenen Aspekte, der öffentlich-rechtliche Charakter dieser Verbindung als auch die unvergleichliche Intimität, kommen im Ehebund zum Ausdruck. Und dieser Bund sollte ein Gleichnis sein für einen noch wichtigeren – und ja, auch noch schöneren – Bund: den Bund zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer.

Verbunden mit dem Schöpfer

Die Verbindung mit Gott bedeutet alles für uns, wie zwei sehr absolute Aussagen der Bibel unmissverständlich erklären:

Getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Phil 4,13 Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus. (Joh 15,5)

Ein Verliebter auf Erden zweifelt keinen Moment daran, dass für ihn alles davon abhängt, seine Geliebte für sich zu gewinnen. Vielleicht schauen wir sanft-mitleidig auf solch einen Enthusiasten, der, so meinen wir, nicht mehr ganz auf dem Boden der Realität steht. Doch wenn wir ganz ehrlich sind, kennen wir das Gefühl auch. Gott hat es in uns hineingelegt, auch wenn sein wahrer Zweck – die Einheit mit Gott – nur selten erfasst wird.

Aber wie kann man dieses Einswerden mit Gott erleben? Ist es überhaupt möglich? Die Bibel sagt dazu etwas Erstaunliches:

Oder wisst ihr nicht, dass, wer einer Hure anhängt, ein Leib mit ihr ist? „Denn es werden“, heißt es, „die zwei ein Fleisch sein.“
Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit ihm. (1Kor 6,16.17)

Sexualität hat einen tieferen Sinn

Ist der Gedanke zu weit hergeholt, dass Gott Sexualität nicht nur zur Freude und Erfüllung von Ehepartnern geschaffen hat, sondern auch, um in ganz besonderer Weise die von ihm gewünschte geistliche Einheit mit dem Menschen abzubilden? So wie Mann und Frau ein Fleisch werden, sollen Mensch und Gott „ein Geist“ werden!

Oder anders ausgedrückt: Gott wünscht sich, dass wir so denken wie er, natürlich nicht in Bezug auf die Höhe und Tiefe der Gedanken, sondern auf die Charaktereigenschaften und die Bewertung von Dingen und Situationen. Paulus wiederholt diesen Gedanken an anderer Stelle:

Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war. (Phil 2,5)

Nun können wir wahrscheinlich besser verstehen, worin der Bund – die liebevolle Verbindung – zwischen Gott und Mensch besteht. Eine klassische Definition kommt aus dem achten Kapitel des Hebräerbriefes:

Das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel schließen werde nach jenen Tagen, spricht der Herr: Ich will ihnen meine Gesetze in den Sinn geben und sie in ihre Herzen schreiben; und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.
Und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: Erkenne den Herrn! Denn es werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen. (Heb 8,10.11)

Zwei ganz wichtige Punkte

Zwei Punkte sind hier von überragender Bedeutung.Erstens:Gottmöchte,dassein Gesetz, welches Ausdruck seines Wesens und seiner Liebe ist, in unserem Denken verankert wird („Herz“ ist in der Bibel der Sitz des Denkens; siehe Heb 4,12; 1Mo 6,5). Auch in unserer menschlichen Erfahrung ist Liebe eine Herzensangelegenheit (und damit meinen wir letztlich unser Denken, das sich immer um den Geliebten / die Geliebte dreht). Wenn Gottes Denken, wie es in den Zehn Geboten zum Ausdruck kommt, unser Denken bestimmt, dann ist das Liebe (siehe oben Röm 13,10)!

Zweitens: Gott wünscht sich eine direkte Beziehung zu jedem Gläubigen. Genauso wenig, wie Verliebte in ihrer Zweisamkeit gestört werden möchten, möchte Gott Dritte zwischen sich und seinem geliebten Menschen sehen. Das Wort „erkennen“ ist dabei von großer Bedeutung. Am besten versteht man es, wenn man folgenden Vers betrachtet:

Und Adam erkannte seine Frau Eva; und sie wurde schwanger ... (1Mo 4,1)

Dämmerlicht-Christen

Eva wurde nicht schwanger, weil Adam sie aus der Ferne im Dämmerlicht korrekt identifizierte. Vielmehr ist es die intimste Verbindung, das Ein-Fleisch-Werden, das hier beschrieben wird.

Vielleicht fragst du dich, warum sich die Bibel nicht genauer ausdrückt. Aber, so frage ich zurück: Kann man sich eigentlich genauer ausdrücken? Beschreibt die Bibel damit nicht genau die tiefe, erhabene Schönheit und Würde der Sexualität, die in der heutigen Oberflächlichkeit fast völlig verschwunden ist? Wer diesen Gedanken weiterverfolgt, dem öffnet sich eine ganz neue Perspektive in Jesu berühmtem Wort:

Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. (Joh 17,3)

Zu viele Christen begnügen sich damit, im Dämmerlicht einer gottloser werdenden Welt ihren Erlöser aus der Ferne korrekt zu identifizieren und seine Existenz zu bejahen. Doch solch eine „Erkenntnis“ hätte Eva nicht schwanger werden lassen, und sie wird auch in uns kein neues (geistliches) Leben entstehen lassen.

Was wir bis hierhin beschrieben haben, ist der Liebesbund, den Gott von Anfang an mit jedem Menschen eingehen wollte. Doch diese jahrtausendealte Liebesgeschichte nahm schon früh eine dramatische Wendung ...

Eine schmerzliche Wendung

Nichts ist schmerzhafter als die Vorstellung, betrogen zu werden. Gott machte diese Erfahrung. Die Menschen wandten sich einem Verführer zu, und der Bund mit Gott brach. Wenn der Bund darin bestand, das Gesetz der Liebe im Herzen zu tragen, dann muss ein gebrochener Liebesbund auch ein gebrochenes Gesetz bedeuten. Eben so definiert es die Bibel:

Die Sünde ist die Gesetzlosigkeit. (1Joh 3,4)

Und wie in einer menschlichen Beziehung ein Bruch der Liebe zur Trennung führt, so auch die Sünde in der Beziehung mit Gott.

Eure Missetaten trennen euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, dass er nicht hört! (Jes 59,2)

Was Sünde wirklich ist

Heute meinen viele Christen, Sünde wäre die Trennung von Gott. Dies ist aber nicht ganz korrekt. So wie es für jede Trennung unter Menschen einen Grund gibt, ist auch die Sünde der Grund, warum es überhaupt zur Trennung von Gott kommt. Trennung – das ist das Gegenteil von Verbindung / Bund. Deshalb ist Sünde der Feind jeder Liebesbeziehung zu Gott.

Der geneigte Bibelleser wird vielleicht überrascht sein, dass Evas Übertretung im Kern ein Bruch ihrer Liebe zu Gott war. Doch Sünde wird gerade deshalb „geistlicher Ehebruch“ genannt, weil sie viel mit „Lust“ und „Liebe“ zu tun hat:

Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre, und dass er eine Lust für die Augen und ein begehrenswerter Baum wäre, weil er weise macht; und sie nahm von seiner Frucht und aß ... (1Mo 3,6)

Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt lieb hat, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm.
Denn alles, was in der Welt ist, die Fleischeslust, die Augenlust und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern von der Welt. (1Joh 2,15.16)

Eva brach innerlich mit der Liebe Gottes, was äußerlich im Essen der Frucht seinen Ausdruck fand. Als Folge wurde sie von Gott getrennt. Als Adam und Eva sich kurz danach aus Furcht vor Gott versteckten, war offensichtlich, dass sie die Liebe zu ihm verloren hatten.

Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus ... Wer sich nun fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe. (1Joh 4,18)

Gott will keine Nebenbuhler

Was würdest du tun, wenn dein geliebter Partner dich plötzlich wegen eines anderen verlassen würde? Wie würdest du fühlen? Wärst du nicht eifersüchtig, und würdest du nicht um deinen Partner kämpfen und alles in Bewegung setzen, um ihn oder sie zurückzugewinnen?

Du sollst keinen anderen Gott anbeten. Denn der Herr, dessen Name „Der Eifersüchtige“ ist, ist ein eifersüchtiger Gott. (2Mo 34,14)

Viele stolpern über diesen Text, weil sie Eifersucht mit unbegründetem Misstrauen gleichsetzen. Aber darum geht es hier nicht. Wenn dein Partner dich verlässt und das keine Eifersucht in dir hervorruft, kannst du dann ernsthaft behaupten, diese Person jemals geliebt zu haben? Gott liebt uns wirklich, und genauso wirklich wird er eifersüchtig, wenn wir ihn mit anderen Göttern betrügen.

Weil Gott uns zurückgewinnen will, entwarf er einen Plan, den zerbrochenen Bund wieder zu heilen. Wenn das Gesetz im Herzen das Wesen des Bundes ist und Übertretung des Gesetzes (Sünde) den Bund bricht, dann gibt es nur einen Weg den Bund wiederherzustellen: Die Sünde muss weg. Der Bund muss um einen dritten Aspekt erweitert werden: Gnade.

Eine Geschichte der Gnade

Ich werde gnädig sein gegen ihre Ungerechtigkeiten, und an ihre Sünden und ihre Gesetzlosigkeiten werde ich nicht mehr gedenken. (Heb 8,12)

Die Geschichte der Patriarchen und dann des Volkes Israel sollte verdeutlichen, wie Gott die Weggelaufenen mit Liebe wieder zu sich zieht. Über den Auszug aus Ägypten zum Beispiel heißt es:

Mit menschlichen Banden zog ich sie, mit Seilen der Liebe ... (Hos 11,4)

Wie ein verliebter junger Mann seine „Flamme“ an einen einsamen, abgeschiedenen Ort bringt, um ihr darauf ohne lange Vorrede mitzuteilen, was sein Herz fast zum Platzen bringt, so führte der für sein Volk entflammte Gott (2Mo 3,1ff.!) Israel aus Ägypten an einen einsamen und abgeschiedenen Ort, um ihnen bei diesem „Date“ am Berg Sinai mitzuteilen, was sein Herz zum Überfließen bringt.

Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund. (Mt 12,34)

Ohne lange Präambel oder Einführung kommt Gott direkt zum Punkt. Es sprudelt förmlich aus ihm heraus. Wovon war sein Herz denn voll? Es war sein Gesetz, die Zehn Gebote. Wenn diese Gebote im menschlichen Herzen genauso vorherrschend sind wie im göttlichen, dann schlagen zwei Herzen im Gleichtakt. Und das nennt man Liebe!

Deswegen wollte Gott „das Herz“ erreichen, das sich (auf moderne Anatomie übertragen) in unserem Gehirn befindet und über die Sinne ansprechbar ist. Also sprach Gott sein Gesetz mit laut vernehmbarer Stimme zu jedem Einzelnen im Volk – ohne Vermittler, direkt. Das ist der Bund!

„Gott soll nicht mit uns reden!“

Doch was jeder verliebte junge Mann fürchtet, das passierte auch Gott: Er wurde, wenn auch höflich, abgewiesen!

[Das Volk] sprach zu Mose: Rede du mit uns, und wir wollen hören; aber Gott soll nicht mit uns reden, sonst müssen wir sterben! (2Mo 20,19)

Die Worte des Lebens (Joh 1,1-4) wurden als Worte des Todes empfunden. Was war geschehen? Als Gott direkt zu ihnen sprach, realisierten die Menschen, dass Gottes Liebe so tief und radikal ist, dass sie alles aufgeben müssten, was sie von ihm trennte. Gottes Liebe ist ein verzehrendes Feuer (Heb 12,29).

Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Denn die Liebe ist stark wie der Tod ... Ihre Glut ist Feuerglut, eine Flamme des Herrn. (Hld 8,6)

Die Menschen ahnten, dass Gottes Liebe so stark ist, dass sie die Sünde aus ihrem Leben vollständig hinwegnehmen würde. Aber das wollten sie (noch) nicht. Sie waren dankbar für die Befreiung aus Ägypten, aber eine Befreiung von der Sünde (siehe Joh 8,34.36) – das war ihnen dann doch zu viel. Lieber wollten sie jemanden, der zwischen ihnen und Gott steht, quasi eine Beziehung auf Distanz. Gott ja, aber nicht zu nahe!

Der Alte Bund

Gott liebte sein Volk, und so ließ er sich tatsächlich auf diese Halbbeziehung ein: Statt in ihr Herz kam das Gesetz auf Steintafeln. Priester wurden ernannt, die ihnen Gotteserkenntnis vermitteln sollten. Und die Böcke und Schafe, die geschlachtet wurden, zeigten symbolisch, welchen Plan Gott eigentlich verfolgte.

Auch diese Ordnung war ein Bund. In der Bibel wird er der „Alte Bund“ genannt. Ein einseitiger Liebesbrief statt einer erfüllten Zweierbeziehung. Gott ließ alles aufschreiben, was er über die Beziehung dachte, ließ bildlich darstellen, wie er mit ihnen leben wollte. Die Inhalte dieses Bundes waren so korrekt wie die Gebrauchsanleitung einer Waschmaschine. Doch wie jene konnten auch sie nicht reinigen. Der Alte Bund entsprach ziemlich genau jener „Erkenntnis“, die Eva aus weiter Entfernung als Eva identifiziert. Kein Wunder dass Paulus uns im Hebräerbrief sagt:

Nun aber hat er einen umso erhabeneren Dienst erlangt, als er auch der Mittler eines besseren Bundes ist, der aufgrund von besseren Verheißungen festgesetzt wurde.
Denn wenn jener erste Bund tadellos gewesen wäre, so wäre nicht Raum für einen zweiten gesucht worden. (Heb 8,6.7)

Der alte Bund war unvollkommen und auf Dauer unbefriedigend, jedenfalls für einen Gott, der sich nach mehr sehnte als bloße Informationsweitergabe. Gott wünschte sich, dass die Prinzipien, die sie auf Steintafeln und Gesetzesrollen lasen sowie an Böcken und Stieren beobachten konnten, doch in das Herz jedes Einzelnen vordringen würden.

Im echten Bund (später „Neuer Bund“ genannt) kam die Kraft aus Gottes Wort, doch das Volk fürchtete sich vor der umwandelnden, schöpferischen und sündenauslöschenden Kraft dieses Wortes. Die besseren Verheißungen Gottes fanden keine Anwendung. So blieben nur ihre eigenen Versprechungen übrig – und die erwiesen sich stets als so fest wie Wasser.

Gott gibt nicht auf

Aber Gott war noch nicht fertig. Er unternahm einen weiteren Versuch, sein Wort so wie am Sinai direkt zu den Menschen zu bringen. 5. Mose 18,15-18 berichtet uns, dass Mose einen anderen Propheten ankündigte, der so zu ihnen sprechen würde, wie das Volk es am Horeb erbeten hatte: als Vermittler und dennoch direkt! Auf so eine geniale Idee konnte wirklich nur Gott kommen.

Jahrhunderte hatte Gott sündigen Menschen erklärt, worin der neue und wahre Bund besteht. Aber nur wenige hatten es verstanden und im Glauben erlebt. Es war Zeit, die altbewährte Methode wieder anzuwenden: Der Bund musste „begreifbar“ gemacht werden.

Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel geben. (Jes 7,14)

Immanuel, „Gott mit uns“ – das ist die Kernidee des Bundes in einem Wort, in einer Person, in einem Leben! Jesus Christus brachte nicht nur einen neuen Bund, nein, er ist der Neue Bund! In ihm zeigte sich vollkommen, wie eine von Jahrtausenden der Sünde geschwächte und degenerierte Menschheit sich mit dem ewigen Gott verbinden konnte. Er hatte Gottes Gesetz im Herzen (Ps 40,8.9). Er war eins mit Gott dem Vater (Joh 17,21), und beide liebten sich ungetrübt (Joh 5,20). Und weil dieser Bund für ewig halten sollte, ging Jesus ihn auch für ewig ein. Bis in alle Ewigkeit wird er Mensch bleiben!

Sein ganzes Leben war eine praktische Demonstration, wie eine echte Liebesbeziehung mit Gott aussieht. Das war die Bürde und das Zentrum seiner Botschaft.

Bleibt in mir, und ich bleibe in euch! Gleichwie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. (Joh 15,4)

Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander lieben sollt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt.
Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. (Joh 13,34.35)

Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote! (Joh 14,15)

Der zweite Adam

Doch wenn Jesus sich umschaute, hineinblickte in die verwirrten Menschenmassen, den stolzen Pharisäern in die Augen sah oder seine eigenen Jünger betrachtete, machte er eine traurige Entdeckung: Da war niemand, der ihm ähnlich war; niemand, der so dachte wie er ... Dem zweiten Adam erging es wie dem ersten. Und so stand Jesus vor einer Entscheidung, die ewige Konsequenzen haben würde.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein; wenn es aber stirbt, so bringt es viel Frucht. (Joh 12,24)

Jesus hatte genau zwei Optionen: Entweder würde er die Sünde aller Menschen auf sich nehmen und getrennt von Gott einen qualvollen Tod sterben, um ihnen die einzige Gelegenheit zu geben, diesen Neuen Bund persönlich zu erfahren, oder aber er würde für immer allein bleiben, als einziger Mensch, der jemals den Neuen Bund erlebte. Wenn Jesus nicht sterben würde, wäre alle Hoffnung der Patriarchen umsonst gewesen, der Glaube von Propheten und Priestern eine Illusion, ja, Henoch, Mose und Elia hätten den Himmel wieder verlassen müssen. Jesus wäre wirklich als einziger Mensch übriggeblieben. Doch als Jesus niemanden fand, der ihm so ganz ähnlich war, da war es seine tiefe Liebe, die ihn antrieb, alles aufs Spiel zu setzen, um dich und mich zu erobern.

Größere Liebe hat niemand als die, dass einer sein Leben lässt für seine Freunde. (Joh 15,13)

Gottes großer Plan, alle Barrieren wegzureißen, um sich neu mit uns zu verbinden, sollte endlich in Kraft treten!

Am folgenden Tag sieht Johannes Jesus auf sich zukommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! (Joh 1,29)

Ein gebrochenes Herz

Jesus selbst war in seinem Herzen angefüllt mit dem Gesetz der Liebe – es war sein Denken, Fühlen, Handeln. Jede Faser und jeder Pulsschlag seines Herzens waren von diesem Grundsatz geprägt. Als er sich entschied, freiwillig die Sünden der Welt auf sich zu nehmen, ging er ein tödliches Tauschgeschäft ein. Denn Sünde, wie wir gesehen haben, ist das Brechen des Gesetzes, jenes Gesetzes, das untrennbar mit seinem Herzen verwoben war ...

Die Schmach hat mein Herz gebrochen ... (Ps 69,21)

Du und ich – wir haben Jesus das Herz gebrochen. Und das ist der größte Beweis, dass er uns mit tiefer Hingabe liebt. Unsere Sünden haben nicht einfach nur Chaos angestiftet, nein, sie haben das Herz unseres Schöpfers gebrochen. Aber dieses gebrochene Herz ist unsere einzige Chance auf völlige Einheit mit Gott, und die göttliche Liebe dahinter sollte auch unser Herz zerbrechen lassen, denn:

Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten. (Ps 51,19)

Dass Jesu Herz brach, war der unwiderlegbare Beweis dafür, dass meine und deine Sünde wirklich, buchstäblich, tatsächlich auf ihn übertragen wurde. Das gebrochene Herz schenkt dir Gewissheit! Adams Braut wurde aus der verwundeten Seite des schlafenden Adam gebildet. Als Jesus tot am Kreuz hing (im Todesschlaf!), da wurde auch er an der Seite verwundet.

Einer der Kriegsknechte stach mit einem Speer in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. (Joh 19,34)

Jenes Blut wäscht unsere Kleider rein, jenes Wasser reinigt unser Gewissen. Wie Adams Frau Männin hieß, dürfen auch wir uns Christen nennen. So wie der Atem Gottes die ersten Menschen belebte, werden wir durch seinen Geist wiederbelebt und mit der Liebe Gottes gefüllt.

Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist. (Röm 5,5) 

Hochzeitsvorbereitungen

Jetzt ist die Zeit für Jesu Braut (Off 19), sich auf die himmlische Hochzeit vorzubereiten, um dann eine ewige, direkte und von Gottes Gesetz durchdrungene Liebesbeziehung zu Gott zu pflegen.

Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels wie im Rätsel, dann aber von Angesicht zu Angesicht; jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin. (1Kor 13,12)

Das Kreuz von Golgatha, jene kosmische Liebeserklärung des Schöpfers, trifft jeden Menschen ins Herz.

Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen. (Joh 12,32)

Lieber Leser, wenn du plötzlich merkst, dass der Heilige Geist an dir wirkt, ohne dass du genau weißt, seit wann eigentlich; wenn du erlebst, wie neue, dir bislang unbekannte Prinzipien dein Herz erfüllen; wenn das Licht des Evangeliums deine bis dahin verschlossenen Augen kitzelt, dann wisse: Der Gott, der Adam liebevoll aus dem Staub bildete und durch seinen Geist belebte, ist noch heute lebendig, um dich durch sein schöpferisches Wort aus dem Staub dieses Lebens zu holen und dir durch seinen Geist einen Neuanfang zu schenken. Er bietet dir an, ein neues Herz in dir zu schaffen und durch den Heiligen Geist seine Liebe hineinzugießen.

Hat der Geist Gottes beim Lesen dieser Bibelverse dein Herz berührt? Fühlst du dich in Liebe zu dem hingezogen, der für dich starb? Dann warte nicht länger! Nimm Jesus ganz als deinen Erlöser, deinen Freund, deinen Partner, deinen König, deinen Priester, deinen Schöpfer, deinen Helfer und deinen Geliebten an!

Von ferne her ist mir der Herr erschienen: Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt; darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Gnade. (Jer 31,3) 


Eine optimale Vertiefung dieses Themas ist die 6-teilige Vortragsreihe „Gott mit uns“ vom selben Autor auf www.joelmediatv.de. 

Aus der Zeitschrift "AD - STANDPUNKTE" (23. Ausgabe 1/2014)

Herausgeber:
amazing discoveries e.V.
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Deutschland

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