»Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und bewahre euren Geist, samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!« (1. Thessalonicher 5,23 Luther 84)
Falsche Heiligung
Heiligung erlangt nur, wer Gottes Willen tut. Viele treten jedoch das Gesetz des Herrn bewusst mit Füßen. Gleichzeitig behaupten sie, ein heiliges Herz zu haben und ein geheiligtes Leben zu führen. Sie haben Gott und sein Gesetz nicht erkannt. Deshalb sind sie verloren und befinden sich in den Reihen des Erzrebellen, der Gottes Gesetz bekämpft, das Fundament der göttlichen Regierung im Himmel und auf Erden. Was ihr Meister bereits begonnen hat, führen sie weiter, nämlich Gottes heiliges Gesetz außer Kraft zu setzen. Doch kein Gesetzesbrecher wird je in den Himmel eingelassen. Schließlich wurde ja sogar der einst reine und hoch gestellte »schützende Cherub« hinausgeworfen (Hesekiel 28,16), weil er gegen Gottes Regierung rebellierte.
Was viele unter Heiligung verstehen, ist bloße Selbstgerechtigkeit. Unerschrocken erklären sie Jesus zu ihrem Retter, der angeblich heiligt. Was für eine Täuschung!
Wen heiligt Jesus?
Kann Gottes Sohn diejenigen heiligen, die das Gesetz seines Vaters übertreten? Jesus kam doch, um diesem Gesetz Achtung zu verschaffen, es zu verherrlichen. Er bezeugt: »Ich [habe] die Gebote meines Vaters gehalten.« (Johannes 15,10) Keinesfalls wird Gott sein Gesetz dem unvollkommenen Maßstab des Menschen anpassen. Denn die Anforderungen des heiligen Gesetzes sind vom Menschen durchaus erfüllbar. Er braucht nur reuig zu Gott umzukehren und unserem Herrn Jesus Christus vertrauen. »Wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten.« (1. Johannes 2,1)
Gott hat seinen Sohn ja nicht in Leid, Schande und Tod dahingegeben, damit der Mensch Gottes Gesetz nicht mehr halten muss. Satans Täuschungsmacht ist aber so groß, dass für viele das Sühneopfer gar keinen richtigen Wert mehr hat. Jesus starb, weil darin die einzige Hoffnung für den Übertreter besteht. Wenn der Sünder auch Gottes Gesetz in der Zukunft zu halten versucht, bleibt doch seine Schuld der Vergangenheit. Das Gesetz verurteilt ihn zum Tode. Um die Schulden des Sünders zu bezahlen, die dieser selbst nicht bezahlen kann, kam Jesus. Durch sein Sühneopfer erhält der Sünder eine weitere Chance.
Hat die Gnade das Gesetz abgelöst?
Dass bei Jesu Tod die Gnade das Gesetz abgelöst habe, ist eine von Satan ausgeklügelte Lehre. Die zehn Gebote wurden durch Jesu Tod nicht im Geringsten geändert, aufgehoben oder abgeschwächt, sondern durch das Blut des Heilandes wird dem Menschen die wertvolle Gnade angeboten. Gerade das beweist, dass Gottes Gesetz noch gilt. Gottes Gnade und sein Rechtsstaat sind seit dem Sündenfall in Eden nicht voneinander zu trennen. Beide wirken Hand in Hand durch alle Zeitalter hindurch. »Gnade und Wahrheit sind einander begegnet, Gerechtigkeit und Friede haben sich geküsst.« (Psalm 85,11)
Unser Stellvertreter Jesus war bereit, die Strafe des Menschen für die Gesetzesübertretung auf sich zu nehmen. Er verhüllte seine Göttlichkeit unter einem menschlichen Mantel. So wurde er zum Menschensohn, zum Retter und Erlöser. Schon allein, dass Gottes geliebter Sohn kam, um den Menschen zu erlösen, zeigt, wie unveränderlich Gottes Gesetz ist. Wie leicht hätte Gott – aus dem Blickwinkel des Übertreters – das Gesetz abschaffen können, um dadurch den Menschen zu retten. Dann hätte Jesus aber auch im Himmel bleiben können! Wenn wir glauben, wir seien durch die Gnade frei, das Gesetz zu brechen, sind wir einer verhängnisvollen Täuschung aufgesessen. Wer Gottes Gesetz übertritt, ist ein Sünder und niemand kann geheiligt werden, während er in bewusster Sünde lebt.
Seinen qualvollen Abstieg erduldete Gottes geliebter Sohn sicherlich nicht, um dafür zu bezahlen, dass der Mensch das Gesetz des Vaters getrost übertreten und sich dennoch mit Jesus auf den Thron setzen kann. Zwar kann auch der schuldigste Sünder durch Jesu Verdienste und durch Reue und Vertrauen Vergebung erlangen und die Kraft, ein Leben des Gehorsams zu führen. Aber er wird nicht in seinen Sünden gerettet, sondern von ihnen.
Sündenerkenntnis
Der Sünder sehnt sich erst nach Jesus, wenn er seine Sünde erkennt. »Die Sünde ist die Übertretung des Gesetzes.« (1. Johannes 3,4 King James) »Aber ich hätte die Sünde nicht erkannt, außer durch das Gesetz.« (Römer 7,7) Als das Gebot das Gewissen des Saulus weckte, wachte die Sünde auf und er starb. Er wusste sich von Gottes Gesetz verdammt. Der Sünder kann also seine Sünde erst erkennen, wenn er versteht, was Sünde ist. Solange man denkt, der Glaube an Jesus sei unabhängig davon, ob man Gottes Gesetz befolgt oder nicht, kann man biblische Heiligung daher nicht erleben.
Wer sagt, er halte Gottes Gesetz, gibt aber in seinem Herzen der Sünde nach, wird von Jesus, dem treuen Zeugen verurteilt (Offenbarung 3,14). Er behauptet zwar, er sei reich an Erkenntnis der Wahrheit, lebt aber nicht nach ihren heiligen Grundsätzen. Die Wahrheit heiligt nicht sein Leben. Diesen angeblichen Gebotehalter erklärt Gottes Wort für blind, jämmerlich, arm und bloß; denn sein Leben widerspricht seinem Glauben.
Gottes Gesetz ist ein Spiegel. Es reflektiert den Menschen komplett so, wie er ist. Es zeigt ihm die ungeschminkte Wahrheit. Einige wenden sich ab und vergessen dieses Bild. Andere beschimpfen das Gesetz aufs Schlimmste, als könnten sie damit ihre Charakterfehler beheben. Wieder andere nehmen die Verurteilung des Gesetzes an und bereuen ihre Übertretungen. Durch den Glauben an Jesu Verdienste bilden sie einen vollständig christlichen Charakter.
Aus Gottes Blickwinkel hat die ganze Welt sein Gesetz übertreten. Weil es die allermeisten Menschen auch weiterhin übertreten und so Gottes Feinde bleiben, kann man jedoch nicht schlussfolgern, dass niemand sich schuldig bekennen und gehorsam werden sollte. Von Natur aus sympathische Menschen, die gebildet und kultiviert sind, erscheinen dem oberflächlichen Betrachter oft vollkommen zu sein. »Der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an.« (1. Samuel 16,7) Werden die lebenspendenden Lehren aus Gottes Wort dem Gewissen nicht vermittelt und werden sie nicht verstanden, angenommen und praktisch umgesetzt, dann kann der Mensch nicht ins himmlische Königreich kommen. Manche sind von diesen Lehren nur fasziniert, weil sie ihnen neu sind. Aber sie nehmen sie nicht als Gottes Wort an. Wer das Licht jedoch nicht annimmt, wenn es ihm leuchtet, den verdammt es.
Die Menschen wollen die Wahrheit hören
In jeder Gemeinde gibt es Menschen mit ungestilltem Hunger und Durst nach Rettung. Tag und Nacht belastet die Frage ihr Herz: Was muss ich tun, um gerettet zu werden? Aufmerksam hören sie den beliebten Predigern zu in der Hoffnung zu erfahren, wie sie vor Gott gerecht werden können. Doch zu oft hören sie nur eine gefällige Rede, einen gewandten Vortrag. In jeder religiösen Versammlung sitzen traurige und enttäuschte Herzen. Der Prediger erzählt seinen Zuhörern, sie könnten Gottes Gesetz nicht halten. »Es gilt für die Menschen von heute nicht mehr«, sagt er, »Glaube an Jesus, er wird dich retten. Glaube nur.« Auf diese Weise lehrt er sie, das Gefühl zu ihrem Maßstab zu machen. Er führt sie nicht zu einem intelligenten Glauben. Dieser Prediger gibt sich vielleicht als sehr aufrichtig, doch er sucht das besorgte Gewissen mit falschen Hoffnungen zu beschwichtigen.
Geistliches Gift mit Zuckerguss
Viele gelangen so zu der Meinung, sie seien auf dem Weg zum Himmel, denn sie bekennen sich ja zum Glauben an Jesus. Gleichzeitig verwerfen sie jedoch Gottes Gesetz. Am Schluss werden sie feststellen, dass sie auf dem Weg zur Verdammnis waren und nicht zum Himmel. Durch diese Lehre von der Heiligung wird geistliches Gift mit einem Zuckerguss überzogen. Dann wird es den Menschen dargereicht. Tausende schlucken es begierig und meinen, sie seien in Sicherheit, solange sie nur ehrlich in ihrem Glauben sind. Doch Aufrichtigkeit verwandelt Irrtum nicht in Wahrheit. Man kann durchaus Gift schlucken in der aufrichtigen Meinung, es sei Nahrung. Doch diese Aufrichtigkeit bewahrt nicht vor der Wirkung.
Heiligung heißt Umwandlung
Gott hat uns sein Wort als Richtschnur gegeben. Jesus sagte: »Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir Zeugnis geben.« (Johannes 5,39) Er betete für seine Jünger: »Heilige sie in der Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit.« (Johannes 17,17) Paulus sagt: »Ich habe zwar auch gemeint, ich müsste gegen den Namen Jesu von Nazareth viel Feindseliges verüben« (Apostelgeschichte 26,9), doch durch diesen Glauben wurde sein Verhalten noch lange nicht richtig. Erst als Paulus das Evangelium von Jesus Christus annahm, machte es aus ihm »eine neue Kreatur« (2. Korinther 5,17 Luther 84). Er wurde umgewandelt. Die Wahrheit wurde in sein Herz gepflanzt und schenkte ihm solchen Glauben und Mut als Jesu Nachfolger, dass kein Widerstand ihn von seinem Weg abbringen, kein Leid ihn einschüchtern konnte.
Mit welcher Ausrede man Gottes Gesetz auch immer ablehnen mag, am Tag des Gerichts wird keine davon akzeptiert. Wer gegen Gott streitet und sein schuldiges Herz durch Übertretungen verhärtet, muss schon bald dem großen Gesetzgeber über das gebrochene Gesetz Rechenschaft ablegen.
Der Tag der Rache unseres Gottes kommt, der Tag seiner Zornesglut (Jesaja 61,2; 2. Chronik 30,8). Wer wird am Tag seines Kommens bestehen? Die Menschen haben ihr Herz gegen Gottes Geist verhärtet; doch seine Zornespfeile werden dort eindringen, wo die Pfeile der Erkenntnis es nicht vermochten. Gott wird schon bald aufstehen, um mit den Sündern abzurechnen. Werden die falschen Hirten die Übertreter an jenem Tage beschützen können? Kann entschuldigt werden, wer mit dem Strom des Ungehorsams mitgeschwommen ist? Wird Popularität oder werden Erfolgszahlen die Schuld wegnehmen können? Das sind Fragen, die sich die Sorglosen und Gleichgültigen stellen und selbst beantworten sollten.
Ellen White in: Review and Herald, 8. März 1881
Aus der Zeitschrift "Unser festes Fundament" (6. Ausgabe 2007)
Herausgeber:
hoffnung weltweit e.V.
Postfach 1339
79373 Müllheim / Baden Deutschland
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.



Please wait...





