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Die unsterbliche Seele

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Die Lehre vom Todesschlaf wird oft als trostlos bezeichnet, als schrecklich, abstoßend und Furcht einflößend. Die Unsterblichkeit der Seele und die Belohnung der Heiligen beim Tod verkündet man dagegen als Freudenbotschaft, als Lohn der »seligen Hoffnung«.

Moment mal! Nicht so schnell! Prüfen wir lieber erst folgende Einwände!

Man sagt, die Lehre sei ganz und gar trostlos. Denn wäre es nicht eine bittere Enttäuschung für die gestorbenen Heiligen, wenn sie Jahrhunderte lang im Grab bleiben müssen, statt gleich nach dem Tod in die Herrlichkeit einzugehen? Die Lehre ist jedoch gar nicht so schrecklich, trostlos, dunkel oder enttäuschend. Auch müssen die Toten nicht Jahrhunderte lang warten. Die Zeit zwischen ihrem Abscheiden und der Auferstehung empfinden sie gar nicht. Der Augenblick, in dem die Gerechten unsterblich gemacht werden, wird ihnen nicht länger vorkommen als die gesamte Zeitspanne, die Adams erster Sohn Abel im Todesschlaf verbracht hat. Ihm wird es vorkommen, als hätte er gleich nach seinem Tod, den Himmel betreten.

Man sagt, das mache diese Lehre auch nicht besser. Im Gegenteil, der Todesschlaf könne mit der tröstenden Botschaft von der unsterblichen Seele und der Belohnung beim Tod genausowenig mithalten wie die Sahara an Schönheit mit dem Garten Eden. – Doch forschen wir weiter! Dann stoßen wir auf Beweise, die uns eines Besseren belehren. Es soll also ungemein tröstlich sein, dass die Seele unsterblich ist und die Menschen gleich nach ihrem Tod belohnt werden? Wie viele Menschen führen denn ein heiliges Leben und sterben mit der begründeten Gewissheit, dass sie bei Gott angenommen sind? Wir müssen zugeben: Nur eine Minderheit! Und was wird denn dann aus der großen Mehrheit der Menschen, die ohne Jesus starben und ihren Lohn demnach schon empfangen haben?

Nun ja, man lehrt, sie seien in den Feuerofen gekommen, wo Heulen und Zähneknirschen ist! In welchem Zustand befinden sich also gerade die meisten Toten laut dieser beglückenden Lehre?

Man muss konsequenterweise gestehen: In unaussprechlichen Qualen. Mal ganz ehrlich: Diese Grausamkeit raubt dem Trost, den diese Lehre spendet, doch irgendwie die Kraft.

Da hätte ich noch eine Frage: Wenn die Seele, wie behauptet wird, unsterblich ist, wie lange müssen diese reuelosen Menschen denn dann leiden? Man sagt wieder, und diesmal sicherlich mit Schaudern: Sie müssen für immer leiden. – Müssen wir nicht doch zugeben, dass diese Lehre die trostlosere ist? Lässt es uns nicht aufatmen zu erfahren, dass die Menschen erst vor Gericht kommen, bevor sie frei oder schuldig gesprochen werden und dass sie erst den Gerichtstag abwarten müssen, bevor Gerechtigkeit geübt wird? Und ist nicht die Lehre im Vorteil, die besagt, dass Unsterblichkeit ein Gottesgeschenk ist, das ausschließlich die Gerechten erhalten?

Achtung Irreführung!

Gebet der Seelen unter dem Altar: »Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?« (Offenbarung 6,10)

Die beiden populären Ansichten von der unsterblichen Seele und von der Himmelfahrt der Seele beim Tod sind miteinander verwandt. Ihre Verfechter glauben und lehren, dass die Seelen der Märtyrer unter einem Altar im Himmel leben. Sie brächten buchstäblich das eben zitierte Gebet um Rache an ihren Verfolgern vor Gott. Dabei scheint gar nicht aufzufallen, dass diese Vorstellung in sich unlogisch ist. Warum sollten die Märtyrerseelen in Gottes Gegenwart, wo doch grenzenlose Freude herrschen muss, so sehr an ihre vergangenen Qualen denken? Warum sollten sie sich so stark nach Rache an ihren Verfolgern sehnen. Diese haben sie doch schneller als erwartet ins Paradies gebracht! Fällt es nicht auf, dass solche Gebete dem Wesen Jesu völlig fremd sind? In der Stunde seiner größten Angst betete er: »Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!« (Lukas 23,34) Auch entspricht der Geist dieser Gebete nicht dem Geist des selbstlosen Märtyrers Stephanus, denn seine letzten Worte lauteten: »Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!« (Apostelgeschichte 7,60) Wie kann solch ein Gebet buchstäblich so dargebracht werden, während Jesus, der Retter, als großes Opfer vor der Truhe mit dem göttlichen Gesetz steht und der Geist Gottes an den Herzen der Sünder wirkt, um sie zur Buße zu führen?

Das Gedankengebäude wankt

Das Gleichnis von Lazarus und dem reichen Mann lehrt nach Ansicht der Unsterblichkeitsvertreter, dass die Gerechten beim Tod in den Himmel kommen und die Bösen ins Höllenfeuer (siehe Lukas 16-19-31). Sie entnehmen ihm auch, dass die Bösen in ihren Qualen von den im Glück schwelgenden Gerechten gut beobachtet werden könnten. Ja die zwei Orte lägen sogar in Rufweite, so dass es den beiden Gruppen gelänge, sich zu unterhalten. Und nun betrachten wir die beiden Bilder oder Gleichnisse gemeinsam:

Es müsste doch eigentlich reichen, wenn die Seelen unter dem Altar nur kurz aus ihrem Glückszustand aufschauten. Dann sähen sie ihre Verfolger in den Höllenflammen oder wie sie einer nach dem anderen ins Feuermeer geworfen würden. Wie können die Märtyrer bei diesem schrecklichen Anblick beten: »Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen?« Was für einen Sinn macht es, sie aufzufordern, noch eine kleine Zeit zu warten? Hätte man nicht lieber ihren Blick über den breiten Abgrund lenken sollen? Dorthin, wo viele ihrer Verfolger bereits in Qualen liegen, während weitere, so die Logik, ständig dazukommen? Man meint oft, diese Lehre begründen zu können. Doch nur, wenn man jeden Text für sich allein betrachtet. Zusammengenommen bringen diese beiden Gleichnisse diese Lehre jedoch ins Wanken.

Der Unterschied zwischen Totenreich und Hölle

Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.« (Matthäus 10,28) »Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts mehr tun können. Ich will euch aber zeigen, vor wem ihr euch fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der, nachdem er getötet hat, auch Macht hat, in die Hölle zu werfen. Ja ich sage euch, vor dem fürchtet euch.« (Lukas 12,4-5)

  1. In diesen Versen werden dieselben Worte Jesu von zwei verschiedenen Schreibern wiedergegeben. Den ersten zitieren oft diejenigen, die an die unsterbliche Seele glauben, an das Seelenbewusstsein im Tod. In der Matthäus- Version der Worte Jesu, steht das Wort Seele tatsächlich im Vordergrund; im Lukasbericht, wird es gar nicht erwähnt. Und doch ist die Textaussage in beiden Fällen dieselbe.
  2. Während Matthäus den Herrn Jesus so zitiert: »Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können «, drückt Lukas den Gedanken wie folgt aus: »Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts mehr tun können.« Matthäus fügt hinzu: »Fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.« Lukas formuliert dieselbe Warnung so: »Fürchtet euch vor dem, der, nachdem er getötet hat, auch Macht hat, in die Hölle zu werfen.«

  3. Jesus lehrt also, wie auch an anderer Stelle, deutlich, dass es zwei Tode gibt. Über den ersten Tod, den alle Menschen erleiden müssen, sagt Paulus: Den Menschen ist bestimmt, einmal zu sterben (Hebräer 9,27). Den zweiten Tod müssen nur die Bösen schmecken: »Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode.« (Offenbarung 2,11; siehe auch 20,6.14; 21,8) Wir brauchen uns, so sagt der Heiland, nicht vor denen ängstigen, die uns nur in den ersten Tod schicken können; aber, so warnt er, wir sollen den fürchten, der uns in den zweiten Tod schicken kann.

  4. Den Ort, wo die hier beschriebene schreckliche Strafe vollzogen wird, bezeichnet man als Hölle. Dieses Wort oder sein Adjektiv kommt im Neuen Testament 23-mal vor. Im griechischen Neuen Testament stehen an ihrer Stelle jedoch drei verschiedene Wörter: Hades, Gehenna und Tartarus. Sie bezeichnen unterschiedliche Orte, die in unserer Bibel alle mit dem Wort Hölle wiedergegeben werden. So wird Hades zehnmal mit Hölle übersetzt und einmal mit Grab.

    Hades – das Totenreich

    Matthäus 11,23: Du, Kapernaum, wirst bis in die Hölle hinuntergestoßen werden.

    Matthäus 16,18: Die Pforten der Hölle sollen die Gemeinde nicht überwältigen.

    Lukas 10,15: Du, Kapernaum wirst bis in die Hölle hinuntergestoßen werden.

    Lukas 16,23: Als der reiche Mann nun in der Hölle war, hob er seine Augen.

    Apostelgeschichte 2,27: Denn du wirst mich (Jesus) nicht dem Tod überlassen. (Luther 1984) – Denn du wirst meine Seele nicht in der Hölle lassen. (Luther unrevidiert)

    Apostelgeschichte 2,31: Jesus ist nicht dem Tod überlassen. (Luther 1984) – Dass seine Seele nicht in der Hölle gelassen ist. (Luther unrevidiert)

    1. Korinther 15,55: Hölle, wo ist dein Sieg? (Luther unrevidiert) – Grab, wo ist dein Sieg? (King James) Offenbarung 1,18: Jesus … hat die Schlüssel des Todes und der Hölle. Offenbarung 6,8: Der Tod und die Hölle folgten dem Reiter auf dem fahlen Pferd nach.

    Offenbarung 20,13: Der Tod und sein Reich gaben die Toten heraus (Luther 1984) – Der Tod und die Hölle gaben die Toten. (Luther unrevidiert)

    Hades ist also das Totenreich sowohl für die Gerechten als auch die Ungerechten. Er ist das Gefängnis, in das sie durch den Tod geraten und aus dem sie erst durch die Auferstehung befreit werden. Wer sich im Hades befindet, ist tot (siehe Offenbarung 20,13). An einer Stelle wird Hades auch als Grab wiedergegeben (1. Korinther 15,55).

    Gehenna – das Feuermeer

    Matthäus 5,22: Wer aber sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig.

    Matthäus 5,29: besser, als dass der ganze Leib in die Hölle geworfen werde

    Matthäus 5,30: … und nicht der ganze Leib in die Hölle fahre.

    Matthäus 10,28: … der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.

    Matthäus 18,9: besser, als dass du zwei Augen hast und wirst in das höllische Feuer geworfen.

    Matthäus 23,15: … macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr.

    Matthäus 23,33: Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?

    Markus 9,43: besser, als dass du zwei Hände hast und fährst in die Hölle.

    Markus 9,45: besser, als dass du zwei Füße hast und wirst in die Hölle geworfen.

    Markus 9,47: besser, als dass du zwei Augen hast und wirst in die Hölle geworfen.

    Lukas 12,5: … der … auch Macht hat, in die Hölle zu werfen.

    Jakobus 3,6: Die Zunge ist selbst von der Hölle entzündet.

    Gehenna ist der Ort, in den alle Bösen lebendig geworfen werden mit Haut und Haaren, wo Leib und Seele vernichtet werden. Es ist der Feuersee, in dem die Gottlosen nach ihrer Auferstehung bestraft werden. (Offenbarung 20,13-15)

    Tartarus – der Ort der Dämonen

    Tartarus kommt nur in folgendem Vers vor: »Denn Gott hat selbst die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont, sondern sie mit Ketten der Finsternis in die Hölle gestoßen.« (2. Petrus 2,4)

    Tartarus ist der Ort, an den die bösen Engel nach ihrer Rebellion verbannt wurden. Hades, Gehenna und Tartarus sind also drei Orte. Sie dürfen nicht miteinander verwechselt werden, auch wenn sie in unseren Bibeln alle als Hölle bezeichnet werden.

  5. Man behauptet, der Herr Jesus lehre mit seiner Warnung in Matthäus 10,28 und Lukas 12,4-5 das Weiterleben der Seele nach dem Tod. Ist uns aufgefallen, dass er aber in keinem der beiden Texte vor der Bestrafung der Seele im Totenreich (Hades) warnt? Seine Warnung bezieht sich vielmehr auf die Bestrafung von »Leib und Seele« in der Gehenna.
  6. Interessant, dass er nichts von der Bestrafung einer körperlosen Seele im Hades sagt; finden sich in diesem Vers doch augenscheinlich mehr Hinweise für ein Weiterleben der Seele und ein Ruhen des Körpers im Grab als an anderer Stelle in der Bibel. Jesus weist ausdrücklich auf das schreckliche Schicksal der Verlorenen hin. Durch den Zusammenhang könnte tatsächlich der Eindruck entstehen, die Seelen der Gottlosen litten zwischen Tod und Auferstehung an einem Ort des Schreckens. Und dennoch sagt er kein Wort über das Leiden einer körperlosen Seele. Er beschränkt seine Warnung vielmehr auf die Strafe, die sowohl Seele als auch Leib in der Hölle (Gehenna) trifft. Damit weist er darauf hin, dass die Vergeltung, vor der er warnt, eben erst nach der Auferstehung vollstreckt wird und nicht vorher.

  7. Jesus Christus wollte die Gefahr aufzeigen, in der sich die Gottlosen befinden. Wenn er daher sagt: »Fürchtet euch vor dem, der, nachdem er getötet hat, auch Macht hat, in die Gehenna zu werfen «, will er damit lehren, dass Gott die Bösen in die Gehenna werfen wird. Matthäus gibt dieselbe Warnung in andern Worten wieder: »Fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Gehenna.« Damit soll ebenfalls das Schicksal der Gottlosen aufgezeigt werden.

  8. »Fürchtet euch vor dem, der, nachdem er getötet hat, auch Macht hat, in die Gehenna zu werfen.« Die Bösen werden lebendig in die Gehenna geworfen und im Besitz aller Körperteile (siehe die Liste der Gehenna-Texte oben). Daher kann nur Gott sie dorthin befördern; sie waren ja bereits tot. Um dies zu bewerkstelligen, muss er sie von den Toten auferwecken. Die Auferstehung zur Verdammnis muss also der Gehenna-Verdammnis selbst vorausgehen (vgl. Johannes 5,28- 29 mit Matthäus 23,33).

Auf die Lehre von der unsterblichen Seele kann fast keine unter den führenden Religionen verzichten. Sie ist der Grundstein des Heidentums. Fast alle Götter im Heidentum, sollen Gestorbene sein, die beim Tod Götter wurden.

Auf dieser Lehre beruht der Katholizismus, denn seinen Heiligen verleiht er Mittlerfunktion zwischen Gott und Mensch. Die Lehre von der Unsterblichkeit liegt der Vorstellung vom Fegefeuer zu Grunde. Der römische Katholizismus ist tatsächlich genauso auf diese Lehre angewiesen wie das Heidentum.

Der Spiritismus ist nichts anderes als die Verkörperung dieser Lehre von der natürlichen Unsterblichkeit. Er kann ohne sie nicht existieren.

Ist es nicht befremdend, dass dieser Grundstein des Heidentums, des römischen Katholizismus und des Spiritismus auch der Eckstein des heutigen orthodoxen Protestantismus sein soll? Und doch ist es so. Man betrachtet ihn heutzutage auch dort als zentrale Lehre des Christentums. Diese Lehre ist schon so weit verbreitet, dass sie die Wiederkunft Christi, die Auferstehung der Toten und das jüngste Gericht fast völlig aus dem Blickfeld verdrängt hat. Da hat das Leben allein in Jesus, unserem Herrn, doch unendlich viel höheren Wert!

Vollständige Wiedergabe des Traktats: J.N. Andrews, Thoughts for the Candid, Oakland, Cal.: Pacific Press Publishing Association, 1889.

Aus der Zeitschrift "Unser festes Fundament" (2. Ausgabe 2002)

Herausgeber:
hoffnung weltweit e.V.
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