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Gedanken zur Tsunami Katastrophe

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In den ersten Tagen des Jahres 2005 wurden uns die tragischen Bilder von der Vernichtung der Küstenregionen in Südostasien gezeigt. Ganze Dörfer und Küstenorte sind von der Erdoberfläche verschwunden, während Tausende unter den Trümmern liegen und weder begraben noch identifiziert werden konnten. Touristen zeichneten mit ihren Video Kameras die schrecklichen Augenblicke auf, als 10 Meter hohe Flutwellen plötzlich in Hotelanlagen, Städte und Dörfer stürzten und Menschen zu Zehntausenden aller Nationalitäten ins Wassergrab rissen. Durch die moderneTechnik konnten wir als Zuschauer eine Katastrophe miterleben, deren Bilder uns zutiefst schockierten.

Warum hat sich diese Katastrophe ereignet? Warum hat Gott sie zugelassen? Wie kann ein liebevoller Gott zulassen, dass ein wütendes Meer nach einem großen Seebeben Tausende verschlingt? Hat Gott Südostasien dafür ausgewählt, weil er meinte, die Hindus von Indien, die Moslems von Indonesien, die Buddhisten von Thailand oder die Touristen von Schweden, Australien und den Vereinigten Staaten hätten eine Strafe Gottes verdient?

Doch was ist dann mit den Orkanen, die mehrere Küstenstädte in Florida verwüsteten? Haben die Menschen in Florida Gottes Strafe mehr verdient als alle anderen Amerikaner? Ist die Tsunami Katastrophe eine sinnlose Laune der Natur, oder will Gott der Welt durch das schreckliche Geschehen, das die ganze Welt in Atem hielt, etwas sagen? Das fragen sich Millionen von Menschen, die das Unheil auf ihren Fernsehbildschirmen mit angesehen haben.

Atheisten oder Agnostiker, die eine naturalistische und materialistische Sicht von der Welt vertreten, sehen in dieser Katastrophe ein Ereignis ohne Sinn in einem unkontrollierten Weltall. Sie sind mit der geologischen Erklärung zufrieden, in der davon die Rede ist, dass Bewegungen der tektonischen Platten eine gewaltige Eruption rund 100 Kilometer vor der Küste der indonesischen Insel Sumatra auslösten, die ein Erdbeben mit der Stärke 9,0 erzeugten. Das Beben löste seinerseits einen Tsunami aus, d.h. eine Flutwelle, die auf dem offenen Meer Geschwindigkeiten von 500 Kilometern in der Stunde erreichten.

Das enorme Schauspiel der Naturkräfte veranlasst allerdings selbst Atheisten und Agnostiker, Fragen nach der Natur und dem Sinn des Lebens zu stellen. Der englische Philosoph Bryan Appleyard bemerkt: „So ist es nun einmal: Die Natur – unkontrolliert, ungebeten, unvorhersehbar – kann immer noch unseren Stolz demütigen und unsere Pläne im Nu zerschmettern.“

Eine Herausforderung für Christen

Christen können die Tsunami Katastrophe nicht als eine Laune der Natur abtun, die durch den zufälligen Zusammenstoß von zwei im indischen Ozean verlaufenden, tektonischen Platten hervorgerufen wurde. Weil sie an einen allmächtigen, gütigen Gott glauben, werden sie aufgefordert, zu erklären, warum Gott derartige Katastrophen wie den Tsunami zulässt. Dies scheint in Kirchen und Gemeinden, in Bars, am Küchentisch und in Tausenden von Artikeln auf Webseiten im Internet das beliebteste Thema zu sein. Der theologische Begriff für ein solches Thema ist „Theodizität“, wobei man versucht, den Glauben an einen guten, allmächtigen und allwissenden Gott mit der Realität des Bösen, die sich in Naturkatastrophen und dämonischen Handlungsweisen der Menschen offenbart, zu vereinbaren.

Ich habe mich bemüht, für mich selbst eine befriedigende Antwort auf die Frage zu finden: Wie kann ein allmächtiger und gütiger Gott zulassen, dass eine derartige Katastrophe geschieht? Ich habe mehr als 100 Artikel, Botschaften per e-mail und Bücher gelesen, um herauszufinden, wie andere christliche Denker diese fundamentale Frage beantworten. Nach dem, was ich gelesen habe, werden vor allem drei Antworten gegeben.

Naturkatastrophen sind Satan zuzuschreiben

Manche meinen, Naturkatastrophen sind Aktionen Satans und nicht Gottes. Also ist Satan für die vom Tsunami verursachte Verwüstung die Schuld zu geben. Auf Hiob bezogen sagt Rev. O. E. Aighalua, Vorsteher der God’s Kingdom Society: „Die Bibel zeigt auf, dass Satan für das Elend in der Welt verantwortlich ist. Der Teufel lässt die Menschen glauben, Gott sei der Urheber ihres Ungemachs, und beeinflusst sie dadurch, ihrem Schöpfer Vorwürfe zu machen.

Manche vertreten die Ansicht, dass Naturkatastrophen von Gott zugelassene Aktionen Satans sind. Zur Unterstützung ihrer Ansicht weisen sie auf Aussagen aus dem Großen Kampf hin, wo Ellen White auf den Seiten 590 und 591 schreibt: „Satan hat die Geheimnisse des Laboratoriums der Natur studiert, und er setzt seine ganze Macht darein, um die Elemente zu beherrschen, soweit Gott es zulässt … Er wird manche begünstigen und fördern, um seine eigenen Absichten voranzubringen; auf andere wird er Schwierigkeiten herab beschwören und die Menschen glauben machen, es sei Gott, der sie peinige.

Während er den Menschenkindern als ein großer Arzt erscheint …, wird er Gebrechen und Unheil bringen, bis volkreiche Städte in Trümmer und Einöden verwandelt sind. Gerade jetzt ist er am Wirken. In Unfällen und Not zu Wasser und zu Lande, in großen Feuersbrünsten, in wütenden Wirbelstürmen und schrecklichen Hagelwettern, in Orkanen, Überschwemmungen, Springfluten und Erdbeben, an allen Orten und tausenderlei Gestalt übt Satan seine Macht aus.“

Mich selbst spricht diese Erklärung an, weil hier Satan und nicht Gott für Katastrophen in der Natur und für solche, die von Menschen herbeigeführt wurden, verantwortlich gemacht wird. Die Erklärung hat für sich, dass der offensichtliche Widerspruch zwischen der Allmacht und Güte Gottes im Falle von Katastrophen gelöst wird, da ja Gott nicht direkt für die von einer Katastrophe wie dem Tsunami verursachte Vernichtung verantwortlich ist.

Schreibt die Bibel Satan die Schuld für vernichtende Katastrophen zu?

Die Erklärung wirft zwei ungelöste Fragen bei mir auf. Ich teile euch mit, wie es mir damit ergeht, das Geheimnis des Bösen zu verstehen. Das erste Problem ist biblisch. Ich habe vergeblich nach Bibeltexten gesucht, in denen Satan die Schuld für vernichtende Katastrophen gegeben wird, bzw. wo ihm eine teilweise oder totale Kontrolle über die Natur zugeschrieben wird. Bei der Suche nach Texten habe ich auch andere um ihre Mithilfe gebeten. Der einzige Text, auf den ich aufmerksam gemacht wurde, ist Hiob 1,12, wo der Herr zu Satan sagt: „Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand.“ Im weiteren Verlauf wird berichtet, wohin die Zulassung Gottes führte, nämlich zur Vernichtung von Tausenden von Eseln, Schafen, Kamelen und Dienern durch Leute aus Saba und Chaldäa und durch Feuer vom Himmel. Schließlich zerstörte ein starker Wind sogar das Haus, wo alle 10 Kinder Hiobs beim Essen waren, und tötete sie alle (Hiob 1,13-19).

Nach diesem Bericht erlaubte Gott Satan, seine zerstörerischen Absichten auszuführen, indem er nicht nur Menschen wie die Sabäer und Chaldäer benutzte, sondern auch Naturkräfte wie Feuer und Wind. Dabei wird jedoch übersehen, dass alles, was zunächst aussieht, als stünde es in der Macht Satans, bei näherer Betrachtung als das Werk Gottes dargestellt wird. So sagt Hiob zum Beispiel nach dem Verlust seiner 10 Kinder: „“Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen; der Name des Herrn sei gelobt!“ (Hiob 1,21). Hiob verstand das Unheil, das er erlebte, eindeutig als das Werk Gottes und nicht als eine Aktion Satans.

Diese Auffassung wird noch deutlicher, wenn wir lesen, was Gott danach zu Satan sagt: „Hast du acht auf meinen Knecht Hiob gehabt? … Er hält noch fest an seiner Frömmigkeit; du aber hast mich bewogen, ihn ohne Grund zu verderben (Hiob 2,3). Der Text weist eindeutig darauf hin: Es war Gott und nicht Satan, der Unheil über Hiobs Familie brachte. Damit wollte er prüfen, ob Hiob trotz massiver Anfechtungen rechtschaffen blieb.
Satan hat ohne Frage seine Hand in Hiobs Elend, aber letztlich übernimmt Gott für alles die Verantwortung. Als Satan Hiob mit bösen Geschwüren zusetzt, sagt Hiob zu seiner Frau: „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ (Hiob 2,10). Hiob nahm sein Unglück und seine Leiden als von Gott gesandt und nicht von Satan verursacht an. Und das Buch schließt mit der Bemerkung, dass die Leute ihn trösteten „über alles Unglück, das der Herr hatte über ihn kommen lassen“ (Hiob 42,11). Eines ist klar: Satan beschert Elend, aber er geht nicht weiter, als Gott es zulässt. Die Botschaft des Buches Hiob ist eindeutig. Gott war letztlich verantwortlich für das Elend, das Hiob erlebte. Der Zweck bestand darin, Hiobs Rechtschaffenheit zu prüfen.

Wie im Fall von Hiob hatte Satan zweifellos im Tsunami Seebeben seine Hand im Spiel, doch letztlich liegt die Verantwortung für die Macht über den Tsunami bei Gott. In Hiob 38,8.11 stellt Hiob die rhetorische Frage: „Wer hat das Meer mit Toren verschlossen, als es heraus brach wie aus dem Mutterschoß … und sprach: ‚Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hier sollen sich legen deine stolzen Wellen!‘? Für Hiob gab es keinen Zweifel an Gottes Herrschaft über die Kräfte der Natur, die sich in Flutwellen zeigen. Denselben Gedanken drückt der Psalmbeter in Psalm 89,8.9 aus: „Herr, Gott Zebaoth … du herrschest über das ungestüme Meer, du stillest seine Wellen.“ Auch Jesus hatte die tödlich bedrohenden Wellen unter seiner Kontrolle: „Er bedrohte den Wind und die Wogen des Wassers, und sie legten sich“ (Lk 8,24). Wenn wir das Wunder Jesu auf den Tsunami anwenden, hätte Gott die zerstörerischen Flutwellen des Tsunami auch dann stoppen können, wenn Satan das Erdbeben ausgelöst hätte.

Beherrscht Satan die Kräfte der Natur?

Das zweite Problem, vor dem ich stehe, wenn ich annehme, dass Naturkatastrophen Satans Werk sind, besteht darin, dass ich davon ausgehen muss: Satan beherrscht die Naturkräfte irrational aus zwei Gründen. Erstens schreibt die Bibel, wie bereits erwähnt, an keiner Stelle Satan die Macht zu, Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen, Dürreperioden oder Orkane zu verursachen. Ich habe die 16 Hinweise auf „Erdbeben“ in der Bibel gelesen, aber in keiner einzigen wird Satan die Schuld für Erdbeben gegeben. Mitunter wird Satan als der Fürst dieser Welt bezeichnet (2 Ko 4,4; Jo 12,31; 14,30; Eph 6,12), aber seine Macht scheint aufs Versuchen und Täuschen begrenzt zu sein, ohne dass er einen Umsturz in der Natur hervorrufen kann.

Ein zweiter Gedanke bezieht sich auf folgendes: Wenn Satan Herr über die Kräfte der Natur wäre, hätte er schon längst unseren Planeten vernichtet. Jesus sagt sehr deutlich: Der Teufel „ist ein Mörder von Anfang an“ (Jo 8,44). Wie die Terroristen unserer Tage hätte Satan jede Gelegenheit genutzt, um das Erlösungswerk Gottes auf Erden zu vernichten. Allein die Tatsache, dass unser Planet bis heute besteht, ist ein Zeichen dafür, dass Satan keine direkte Herrschaft über die Kräfte der Natur hat.

Die Annahme, Gott würde Satan gewissermaßen an der Leine haben und ihm erlauben, nur zu bestimmten Zeiten und bis zu einem bestimmten Grad Naturkatastrophen zu bewirken, würde eine Art von Zusammenarbeit zwischen Gott und Satan voraussetzen. Ich finde einen solchen Gedanken absurd, weil es in der Bibel keine Partnerschaft zwischen Gott und Satan gibt. Außerdem ist zu sagen: Wenn Gott Satan erlaubte, eine Katastrophe wie den Tsunami in Südostasien zu bewirken, würde letztlich Gott selbst die Schuld für die entsetzliche Vernichtung menschlichen Lebens und Eigentums treffen, weil er sie hätte verhindern oder stoppen können. Gott kann nicht auf seinem Thron im Himmel sitzen, ohne die von Satan auf Erden angerichtete Zerstörung zu beachten. Eine derartige Gleichgültigkeit würde Gottes Güte und Allmacht in Misskredit bringen.

In Anbetracht der bisherigen Überlegungen, stellt die Annahme, dass Naturkatastrophen von Gott zugelassene Aktionen Satans sind, uns vor Probleme, die gelöst werden müssen. Zuzulassen, dass Katastrophen geschehen, bedeutet, teilweise für die dadurch entstehende Vernichtung verantwortlich zu sein. Aber Gott kann wohl kaum für das destruktive Handeln Satans verantwortlich gemacht werden.

Naturkatastrphen werden durch die Naturgesetze hervorgerufen

Eine zweite, von vielen vertretene Antwort auf die Frage, wie ein allmächtiger und gütiger Gott Katastrophen wie den Tsunami zulassen kann, ist die folgende: Katastrophen geschehen aufgrund von Naturgesetzen und nicht aufgrund eines Eingreifens Gottes. Diese Ansicht wird im Bestseller „When Bad Things Happen to Good People“ (Wenn guten Menschen Schlimmes geschieht) von Harold Kushner artikuliert. Kushner sagt: Naturkatastrophen sind die Folge davon, dass Naturgesetze am Werk sind. Nach seiner Auffassung ist Gott als allwissend und allumfassend liebend, aber nicht als allmächtig zu verstehen. Er glaubt, Gott würde nicht eingreifen, um gute Menschen vor Katastrophen wie einem Erdbeben zu bewahren. Er würde auch nicht diese Unglücke senden, um die Gottlosen zu strafen. Katastrophen hätten nichts mit einem moralischen Gericht zu tun, weil Naturgesetze blind sind.

Kushner schreibt die im Weltall vorhandene Ordnung Gott zu, aber er behauptet, der Ordnungsprozess des Universums sei noch nicht vollendet. Es gebe noch Elemente in der Welt der Natur, die nicht richtig funktionieren; infolgedessen komme es zu Katastrophen. Es habe keinen Sinn, nach Ursachen für sie zu suchen. In dieser Auffassung steckt etwas Wahres, aber es bringt auch Probleme mit sich, Katastrophen einem schlechten Funktionieren der Naturgesetze zuzuschreiben, die Gott nicht unter seiner Kontrolle hat. Die Bibel weist darauf hin, dass unsere Welt nicht an schlecht funktionierenden Naturgesetzen krankt, sondern an den Folgen der Sünde, die sich sowohl auf den Menschen als auch die Schöpfung auswirkt. Viele Christen, einschließlich einiger Adventisten, finden Kushners Auffassung ansprechend, weil er Naturkatastrophen nicht einem direkten Eingriff Gottes zuschreibt, sondern den Auswirkungen von Naturgesetzen. Da Gott angeblich keine direkte Kontrolle über die Naturgesetze hat, treffe ihn keine Schuld für Naturkatastrophen.

Liebt Gott allumfassend, ohne allmächtig zu sein?

Kushners Ansicht, dass Gott zwar jeden liebt, aber nicht allmächtig ist, wird in einem Artikel im Orlando Sentinel unter der Überschrift „Did God Say“ (Sprach Gott): ‚Es komme ein Tsunami‘?“ aufgegriffen. Der Verfasser ist James Coffin, Prediger der Markham Woods Adventgemeinde in Orlando, Florida. Coffin schreibt: „Hat Gott die Entscheidung getroffen, welche tektonischen Platten in Bewegung geraten sollten, wie hart sie aufeinander treffen sollten, wie groß die dadurch ausgelöste Flutwelle werden, zu welcher Tageszeit das alles geschehen und wer an den Stränden sein sollte? Hat Gott entschieden, wer ins Meer gespült werden würde, wer von einem Freund ergriffen werden würde, der sich verzweifelt an einen Baum klammerte? Hat unser himmlischer Vater entschieden, welche Väter und Mütter ihre Kinder verlieren und welche Kinder ihren Vater oder ihre Mutter verlieren würden?

Es ist unergründlich, wie jemand, der an einen Gott der Liebe glaubt, sich ein göttliches Wesen vorstellen kann, das eine derartige Rolle spielt. Rabbi Harold Kushner (Verfasser von „When Bad Things Happen to Good People) kam zu dem Schluss, dass wir Gott realistisch als allumfassend liebend oder allmächtig betrachten dürfen, aber nicht als beides miteinander.“

Nachdem ich mein Herz erforscht habe, stimme ich ihm zu. Ich glaube fest daran, dass Gott jeden liebt. Das ist die Grundlage meines Glaubens. Desgleichen glaube ich, in theoretischem Sinne, dass er allmächtig ist. Doch in dem Augenblick, als er einigen seiner Geschöpfe Entscheidungsfreiheit gab, hörte er auf, in praktischem Sinne allmächtig zu sein. Man kann nicht Herrschaft abgeben und sie zugleich behalten.

Auf den ersten Blick ist es beruhigend zu denken, Gott hat alles im Griff und nichts kann geschehen, was er nicht wenigstens absichtlich zulässt. Und dann schlägt ein Tsunami zu – sei er persönlicher Art oder ein solcher wie am 26. Dezember – und plötzlich treffen die alten Antworten nicht mehr zu. Pastor Coffin gibt einiges zu bedenken. Vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet ist der Glaube an einen Gott, der alles unter seiner Kontrolle hat, mit der nackten Realität der Tsunami Katastrophe, die plötzlich das Leben von zigtausend Menschen auslöscht, von denen viele unschuldige Kinder sind, nicht zu vereinbaren. Der Bischof von Durham, Tom Wright, formuliert wie folgt: „Wie kann man sagen: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, wenn Flutwellen seine Inkompetenz bezeugen.“

Kann Gott dafür der „Inkompetenz“ angeklagt werden, dass er in der Tsunami Katastrophe nicht eingegriffen hat? Weist sein Nicht-Eingreifen darauf hin, dass Gott zwar jeden liebt, aber nicht allmächtig ist? Mir fällt es schwer zu glauben, Gott sei nicht mächtig genug, um in einer großen Naturkatastrophe wie der in Südostasien einzugreifen, wo doch Jesus sagte, dass Gott selbst für das Herabfallen eines Spatzen verantwortlich ist (Mt 10,29). Befriedigender ist die Antwort, auf die wir kommen, wenn wir Naturkatastrophen in Verbindung mit dem Sündenfall und Gottes Heilsplan für Menschen und Schöpfung betrachten. Das wollen wir jetzt tun.

Naturkatastrophen sind die Folge des Sündenfalls
Sie rufen die Menschen in die Buße

Um eine biblische Antwort auf die Frage zu finden: „Wie kann ein allmächtiger und gütiger Gott eine Katastrophe wie den Tsunami in Südostasien zulassen?“ werden wir zwei wichtigen Fragen nachgehen:

  1. Warum geschehen auf Erden Naturkatastrophen?
  2. Was will Gott den Menschen durch Naturkatastrophen sagen?

Warum geschehen auf Erden Naturkatastrophen?

Naturkatastrophen sind nichts Natürliches in Gottes Schöpfung. Gott setzte bei der Schöpfung Naturgesetze ein. Am Ende seiner Sechs-Tages-Schöpfung sah sich Gott alles, was er gemacht hatte und beurteilte es als „sehr gut“ (1 Mo 1,31). Das Erschaffene war vollständig und vollkommen. Die Flüsse und die Vegetation, Blumen und Obstbäume, Vögel, Fische und Tiere lebten in einer friedlichen, stabilen und idyllischen Umgebung harmonisch zusammen. In der Schöpfung Gottes gab es weder Krankheit noch Tod. Auch Orkane, Überschwemmungen, Erdbeben oder Tsunamis gab es nicht. Adam und Eva lebten glücklich in einem idyllischen Paradies und pflegten eine enge Beziehung zu ihrem Schöpfer, der sie besuchte, „als der Tag kühl geworden war“ (1 Mo 3,8).

Aber der Friede und die Ruhe des Gartens Eden wurden durch den Ungehorsam der ersten Menschen zerstört. Der Sündenfall wirkte sich nicht nur auf die Menschen, sondern auch auf die den Menschen unterstellte Schöpfung, einschließlich der physikalischen Welt, aus: „Verflucht sei der Acker um deinetwillen“ (1 Mo 3,17). Die ganze Schöpfung geriet unter den Fluch und das Verderben, die sich aus dem Eingang der Sünde in diese Welt ergaben. Paulus schreibt: „Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat -, doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ (Rö 8,19-21).

Die gute Erde entartete schnell. Die Bibel teilt uns mit: „Als aber der Herr sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen, und er sprach: Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis hin zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel“ (1 Mo 6,5-7).

Die globale Vernichtung der Erde durch die Sintflut war Gottes Gericht an einer verdorbenen Erde. Nach biblischen Angaben kamen die Wasser der Sintflut aus zwei Richtungen: (1) „An diesem Tag brachen alle Brunnen der großen Tiefe auf, (2) und taten sich die Fenster des Himmels auf“ (1 Mo 7,11). Der Tsunami in Südostasien hat uns einen kleinen Eindruck von der ungeheuren Zerstörung gegeben, die zur Zeit der Sintflut stattgefunden haben muss, als es ohne Aufhören vierzig Tage lang goss, als Erdbeben die Erde erschütterten und die Erdplatten in Bewegung kamen und viele Tsunamis ihr Unwesen trieben. In Gottes Schöpfung regierte eine Verwüstung, die das Gesicht und die Formation der Erde auf Dauer veränderte.
Einige Gelehrte meinen, vor der Sintflut wären keine Naturkatastrophen wie der Tsunami vorgekommen. Beispielsweise sagen Whitcomb und Morris in ihrem Buch über die Sintflut: „Das Aufbrechen der Brunnen großer Tiefen (1 Mo 7,11) bedeutet, dass diese Art von Aktivität (Tsunami) eine der unmittelbaren Ursachen für die Sintflut war; darum muss sie vorher in Schranken gehalten worden sein … Der biblische Bericht legt also nahe, dass die Zeit zwischen dem Sündenfall des Menschen und der sich daraus ergebenden Sintflut geologisch gesehen eine verhältnismäßig ruhige Zeit war. Die Wasser über und unter dem Firmament wurden in großem Maße in Schranken gehalten, die Temperaturen waren mäßig warm, es gab weder schwere Regenfälle, noch Winde und wahrscheinlich keine Erdbeben und keine Vulkanausbrüche“ (S. 242f).

Es erscheint logisch, davon auszugehen, dass die Sintflut nicht nur das Gesicht der Erde, sondern auch ihre geologische Formation und meteorologischen Voraussetzungen verändert hat. Die drastischen Veränderungen in den Gesteinsformationen und Bewegungen der tektonischen Platten lässt Erdbeben entstehen, die tödliche Tsunamis erzeugen, wenn Erdbeben unter dem Meer stattfinden. Die Veränderungen in der Formation der Erde, die bei der Sintflut stattfanden, sind eine Erklärung für verschiedene Naturkatastrophen wie Tsunamis, die wir heute erleben. Brad Bromling bemerkt dazu: „Wir mögen zwar nie genau wissen, welche Bedingungen zwischen der Zeit im Garten Eden und der Sintflut herrschten, aber anscheinend … steht die Menschheit seit jenem Ereignis in Gefahr vor Tornados, Blizzards, Monsunen und Wirbelstürmen … Wem sollen wir die Schuld für die Leiden, die sich aus solchem Wetter ergeben, zuschieben? Ist es recht, Gott anzuklagen, wenn er die Wohnstätte der Menschen frei von solchen Dingen erschuf (1 Mo 1,31)? Sicher nicht. Durch die Sünde verlor der Mensch das Paradies, und die Sünde war für die Sintflutverantwortlich („Who Sent the Hurricane?“, Reasoning from Revelation, Sept. 1992, S. 17).

Die Naturkatastrophen, welche die Erde heute erlebt, sind nichts Natürliches für Gottes Schöpfung. In seiner ursprünglichen Schöpfung gab es keine Katastrophen. Gottes Welt war eine Welt der Ordnung. Die heutigen Bewegungen und das gelegentliche Zusammenstoßen von tektonischen Platten, das Erdbeben und Tsunamis verursacht, ist ein Teil des Fluches, den der Ungehorsam des Menschen über die Erde gebracht hat. Solange wir in dieser sündigen Welt leben, werden wir unausweichlich mit solchen Naturkatastrophen zu tun bekommen, weil sie die natürliche Folge der Sünde sind. Naturkatastrophen dienen dazu, uns daran zu erinnern, „dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet“ und dass sie auf den Tag wartet, da sie frei wird „von der Knechtschaft der Vergänglichkeit“ (Rö 8,21.22).

Gott hat die Kräfte der Natur unter seiner Kontrolle

Wenn auch Naturkatastrophen die natürliche Folge der Sünde sind, bedeutet das nicht, dass kein übernatürliches Eingreifen im Spiel ist. In unserer wissenschaftlichen Welt sind übernatürliche Kräfte weniger gefragt; wir fragen mehr nach „natürlichen“ Ursachen für Katastrophen. Schon die Bezeichnung „Naturkatastrophen“ weist darauf hin, dass Übernatürliches daran nicht beteiligt ist.

In jüngerer Zeit hat man die Entstehung von Erdbeben durch eine kühne, neue geologische Theorie, „Plattentektonik“ genannt, erklärt. Wie die Zeitschrift„Time“ anschaulich erklärt, glaubt man in dieser neuen Theorie, „dass die Erdoberfläche aus rund einem Dutzend riesigen 110 km dicken Felsenplatten besteht. Sie gleiten auf dem halb geschmolzenen Erdmantel, werden von bisher noch nicht bestimmten Kräften angetrieben und sind in ständiger Bewegung. Wo sie aufeinander stoßen, werden sie mitunter durch Reibung vorübergehend festgehalten, wobei sich an den Kanten Spannung aufbaut. Am Ende bricht der Fels und lässt die Platten ihre Bewegung vollziehen. Dieses plötzliche Freiwerden von aufgestauter Energie verursacht Erdbeben“ (Time, 1. Sept. 1975, S. 37).

Diese eindrucksvolle Theorie erkennt an, dass „noch nicht bestimmte Kräfte“ die ständige Bewegung der Platten, welche die Oberfläche der Erde bilden, antreiben. Christen, die an Gott als den Schöpfer glauben, der „alle Dinge mit seinem kräftigen Wort“ trägt (Hebr. 1,3), erkennen in diesen „noch nicht bestimmten Kräften“ das geheimnisvolle Wirken göttlicher Weisheit und Macht.

Zahlreiche Bibelstellen sprechen davon, dass Gott die Kräfte der Natur wie Erdbeben, Unwetter, Fluten oder Dürren in allen Einzelheiten lenkt, um sein Ziel zu erreichen. Gott hat Kontrolle über den Regen (5 Mo 11,14-17; 28.12; Hiob 5,10; Mt 5,45; Jak 5,17.18), Blitze (Ps 97,4), Donner, Schnee, Wirbelwinde, Fluten und Wolken, „dass sie alles tun, was er ihnen gebietet auf dem Erdkreis; zur Züchtigung für ein Land oder zum Segen lässt er sie kommen“ (Hiob 37,12.13; siehe Hiob 28,10.11; Ps. 107,25.29; Nahum 1,3.4).

Gott lässt Erdbeben geschehen (Hiob 9,5; 28,9; Ps 18,7; 77,16-18; 97,3-5; Jes 2,19; 24,20; 29,6; Jer 10,10; Nahum 1,5; Hebr 12,26), er lässt Berge einstürzen und sorgt dafür, dass Täler sich füllen (Hes 38,20). Die Kräfte der Natur entwinden sich nie der Kontrolle Gottes. Sie werden von Gott beherrscht. „Er bewegt die Erde von ihrem Ort, dass ihre Pfeiler zittern“ (Hiob 9,6). „Er schaut die Erde an, so bebt sie; er rührt die Berge an, so rauchen sie“ (Ps 104,32). „Der ich das Licht mache und schaffe die Finsternis, der ich Frieden gebe und schaffe Unheil. Ich bin der Herr, der dies alles tut“ (Jes 45,7).

Der Prophet Hesekiel schreibt: „So spricht Gott der Herr: Ich will in meinem Zorn einen Sturmwind aufkommen lassen; und eine Regenflut wird kommen in meinem Zorn“ (wegen fehlender Textangabe aus dem Englischen übersetzt). Ebenso führt der Psalmbeter die Elemente der Natur an, die Gottes Befehl folgen: Feuer, Hagel, Schnee und Nebel, Sturmwinde, die sein Wort ausrichten (Ps 148,8). Amos stellt die rhetorische Frage: „Ist etwa ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht tut?“ (Amos 3,6). In ähnlicher Weise schreibt Haggai: „Es ist nur noch eine kleine Weile, so werde ich Himmel und Erde, das Meer und das Trockene erschüttern. Ja, alle Heiden will ich erschüttern“ (Hag 2,6.7). Im Gegensatz zu der heidnischen Glaubensüberzeugung, dass Erdbeben, Regen oder Blitze von Göttern beherrscht werden, bestätigen die biblischen Propheten Gottes Herrschaft über die Kräfte der Natur.

Was hat uns die Tsunami Katastrophe zu sagen?

Wenn Gott alles in seiner Hand hat, was hat uns dann die Tsunami Katastrophe zu sagen? Manche meinen, das Unheil stellt Gottes Strafe an Völkern dar, die Christen verfolgen. Sie begründen ihre Aussage mit der Tatsache, dass 8 von den 12 Völkern, die vom Tsunami betroffen sind, für ihre Intoleranz gegenüber Christen bekannt sind.

Die Bibel berichtet von Begebenheiten, wo Gott Naturkatastrophen als Strafe für die Boshaftigkeit von Menschen benutzt hat. Die bekanntesten Beispiele sind die Sintflut und die Vernichtung durch Feuer von Sodom und Gomorra. Beispielsweise wendet sich Jesaja warnend an das ungehorsame Volk Israel und sagt: „Heimsuchung kommt vom Herrn Zebaoth mit Wetter und Erdbeben und großem Donner, mit Wirbelsturm und Ungewitter und mit Flammen eines verzehrenden Feuers“ (Jes 29,6). In diesem Abschnitt stellt der Prophet vor, was wir als „Naturkatastrophen“ bezeichnen, hervorgerufen durch Wirbelsturm, Erdbeben und Feuer als göttliches Gericht an Israel.

Wenn Gott mitunter mit Hilfe von Naturkatastrophen menschliche Bosheit bestraft, so lässt das nicht den Schluss zu, dass alle Katastrophen, einschließlich der Tsunami Katastrophe in Südostasien, göttliche Gerichte an Übeltätern sind. Die Geschichte von Hiob lässt ganz klar erkennen: Menschen, die wegen Naturkatastrophen leiden oder sterben, sind nicht unbedingt von Gott dafür ausgewählt, weil sie eine spezielle Strafe verdient haben.

Hiobs Freunde gingen von der falschen Voraussetzung aus, seine Leiden wären durch irgendeine Art von Sünde in seinem Leben verursacht worden. Gott aber rehabilitierte Hiob als einen aufrechten Mann. Jesus wies die irrige Auffassung von sich, Unheil sei eine Strafe für Sünde, indem er erklärte, dass jene achtzehn Personen, die beim Einsturz des Turms von Siloah erschlagen wurden, keine schlimmeren Übertreter gewesen seien als alle anderen Leute in Jerusalem (Lk 13,4). Jene Tragödie sollte aber eines klar machen: “Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen“ (Lk 13,5). Ellen White schreibt: „Das schreckliche Unglück sollte alle, die davon hörten, veranlassen, demütig ihre Sünden zu bekennen“ (Bilder vom Reiche Gottes, S. 184).

Ein Aufruf zu Buße und Reue

Katastrophen sollen uns Menschen wach rütteln und zu Buße und Reue führen. Katastrophen können eine ernüchternde Wirkung auf den Menschen haben. Wenn ein Krieg ausbricht oder ein Erdbeben ungezählte Menschenleben fordert und Eigentum vernichtet oder eine Dürre die Pflanzenwelt verbrennt, so dass es keine Ernten gibt, und die Wasserreserven austrocknet, wenn Epidemien Millionen von Menschen dahinraffen, dann schreien viele Menschen entweder fluchend oder betend zu Gott. C. S. Lewis schrieb: „Not ist Gottes Megaphon an eine taube Welt.“

Es war ein Erdbeben, das den Kerkermeister in Philippi veranlasste auszurufen: „Liebe Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde?“ (Apg 16,30). Es war eine Hungersnot, die König Ahab veranlasste, überall nach Elia zu suchen (1 Kö 18,10). Es war eine Plage, die Pharao auf seine Knie brachte und ihn vor Mose bekennen ließ: „Ich habe mich versündigt an dem Herrn, eurem Gott, und an euch. Vergebt mir meine Sünde nur noch diesmal und bittet den Herrn, euren Gott, dass er doch diesen Tod von mir wegnehme“ (2 Mo 10,16.17).

In seiner Ölbergrede kündigte Jesus an, vor seiner Wiederkunft würden sich bestimmte Katastrophen ereignen. Wegen ihrer Beschaffenheit und Funktion können wir diese Katastrophen als „Zeichen eines göttlichen Gerichts“ bezeichnen. Jesus sagte ausdrücklich: „Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und erschreckt nicht. Denn das muß so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort. Das alles aber ist der Anfang der Wehen“ (Mt 24,6-8; vgl. Mk 13,7.8). Lukas fügt als Zeichen des Endes das „Brausen und Wogen des Meeres“ hinzu (Lk 21,25), was uns an den Tsunami in Südostasien erinnert. Katastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tornados und Wirbelstürme können sich ernüchternd auf die Menschen auswirken. Sie können selbstgefällige und egoistische Menschen, die sich selbst genug sind, dazu bewegen, ihre Begrenztheit anzuerkennen und auf diese Weise Gott zu suchen. Es war das Erdbeben im Zusammenhang mit Jesu Tod, das den Hauptmann und seine Soldaten zu dem Bekenntnis brachte: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen“ (Mt 27,54).

John Wesley schrieb im Jahre 1777 an einen Freund: „Keine Heimsuchung Gottes übt wahrscheinlich einen so universalen Einfluss auf Sünder aus wie ein Erdbeben“ (zitiert in „Forecast: Earthquake“, Time, Sept. 1, 1975, S. 37). Berichten zufolge hing in einer Oberschule in Palm Springs (Kalifornien) ein Schild mit der Aufschrift: „Im Falle eines Erdbebens wird der Oberste Gerichtshof, der Anordnungen gegen Gebete in der Schule verfügt hat, vorübergehend suspendiert.“

Vorboten des Endgerichts

Katastrophen wie Erdbeben fallen unter den Zeichen der Endzeit besonders auf. Sie sind Zeichen des göttlichen Gerichts und der Sorge um Übeltäter, die vor dem letzten Gericht zur Reue finden sollen. Sie stellen eine ernste Warnung und einen Appell Gottes dar, Buße zu tun und vor dem letzten Gericht Rettung zu finden.

Jesus sprach von Kriegen, Erdbeben, Hungersnöten und Pestilenzen als Katastrophen, die nicht nur in der allerletzten Zeit geschehen würden, sondern in der gesamten Zeit bis zu seiner Wiederkunft. Dieser Gedanke liegt in der Ermahnung, nicht durch das Auftreten dieser Zeichen beunruhigt zu sein, „denn das muß so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da“ (Mt 24,6: Mk 13,7; Lk 21,9). Von diesen Zeichen wird gesagt, dass sie den „Anfang der Wehen“ darstellen (Mt 24,8; Mk 13,8).

Mit dem letzten Ausdruck beschrieb man im Judentum die Zeit des Leidens („die Geburtswehen des Messias“), die der Gründung des messianischen Reiches vorausgehen sollten. Möglicherweise charakterisierte Jesus anhand dieser bekannten Vorstellung die vor seiner Wiederkunft herrschenden Bedingungen. Das Auftreten von Kriegen, Erdbeben, Hungersnöten und Pestilenzen bestimmt nicht genau das Ende, sondern weist auf das nahende Ende hin. Diese Erscheinungen gelten als Pfand dafür, dass das Ende ganz sicher kommen wird.

Intensivierung der Katastrophen

Die Katastrophen werden vor dem Ende intensiver werden. Wenn Jesus sagt, dass Kriege, Erdbeben Hungersnöte und Pestilenzen erst „der Anfang“ der Leiden sind (Mt 24,8; Mk 13,8), so weist dies auf eine Intensivierung hin, je näher das Ende kommt. Wenn von einem „Anfang“ die Rede ist, heißt das: Es stehen noch mehr und schlimmere Katastrophen bevor. Diese werden eine so große Trübsal mit sich bringen, dass Jesus sagt: „Und wenn diese Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch selig werden“ (Mt 24,22; vgl. Mk 13,20). Die von Jesus vorhergesagte Intensivierung von Katastrophen vor dem Ende findet in den prophetischen Büchern des Alten Testamentes Unterstützung. Diese Bücher prophezeien eine Verstärkung von Krieg und Katastrophen vor dem Kommen des Herrn, wie ich in meinem Buch „The Advent Hope for Human Hopelessness“ aufgezeigt habe.
In der Vergangenheit wurden Naturkatastrophen von Adventisten als Zeichen des nahenden Endes gesehen. Beispielsweise sahen unsere Pioniere im Erdbeben am 1. November 1755, dem ein großer Tsunami folgte, der mehr als 100.000 Menschen dahinraffte, ein deutliches Zeichen, das die Endzeit einleitete. Erstaunlicher Weise wird der Tsunami vom 26. Dezember 2004, der viel mehr Menschen tötete und Dutzende Völker betraf, von adventistischen Verfassern kaum aus prophetischer Perspektive beleuchtet. Wir behaupten zwar immer noch, die „Zeichen der Zeit“ zu beobachten. Aber vielleicht haben wir uns so an Naturkatastrophen gewöhnt, dass wir nicht mehr ihre eschatologische Bedeutung zu schätzen wissen.

Nehmen Naturkatastrophen heute zu?

Ist der Tsunami in Südostasien ein Einzelfall, oder ist er im Zusammenhang mit einem weltweiten Trend zu vermehrten Naturkatastrophen zu sehen? Die Antwort ist nicht leicht zu finden. Bei der Suche im Internet nach „Naturkatastrophen“ stößt man auf zahlreiche Berichte durch glaubwürdige Organisationen, die vor einem dramatischen Anstieg von Naturkatastrophen warnen. Der Kürze wegen können hier nur einige Berichte wiedergegeben werden.

Der Welt-Katastrophen-Bericht 2004 notiert: „In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Katastrophen im Bereich der Natur und Technik angestiegen. Von 1994 bis 1998 wurden im Durchschnitt 428 Katastrophen pro Jahr registriert; von 1999 bis 2003 schoss diese Zahl um zwei Drittel auf einen Durchschnitt von 707 Katastrophen pro Jahr in die Höhe. Der höchste Anstieg ereignete sich in den Entwicklungsländern, wo eine Zunahme von 142 % zu verzeichnen war.“

Eine Studie über „Naturkatastrophen und anhaltende Entwicklung“, die im Jahre 2002 für die „United Nations International Strategy for Disaster Reduction“ erstellt wurde, besagt: „In den vergangenen vierzig Jahren haben Naturkatastrophen wie Erdbeben, Dürreperioden, Überschwemmungen, Stürme und tropische Zyklone, Buschfeuer und Vulkanausbrüche einen großen Verlust an Menschenleben und Unterhalt, die Zerstörung der ökonomischen und sozialen Infrastruktur sowie Umweltschäden verursacht. Wirtschaftliche Verluste sind in dieser Zeit fast um das Zehnfache gestiegen. In den letzten Jahren haben Überschwemmungen in Bangladesch, Äthiopien, Guinea, Indien, Mosambik, Nigeria, Sudan, Thailand, Venezuela, Vietnam und Algerien, Vulkanausbrüche in Indonesien, Montserrat, Ecuador und auf den Philippinen sowie Erdbeben in Japan, in der Türkei, in El Salvador, Indonesien, Indien und Peru eine umfassende Zerstörung der sozialen, ökonomischen Bedingungen und der Umwelt angerichtet.

Der Bericht prophezeit außer den geschätzten 100.000, die jedes Jahr aufgrund von Naturkatastrophen ihr Leben verlieren, dass die Kosten für die Katastrophen weltweit auf mehr als $300 Milliarden jährlich bis zum Jahr 2050 gestiegen sein werden.“ Zu beachten ist: Die Versicherungsgesellschaften stimmen mit der Bibel überein, wenn sie einen dramatischen Anstieg der Naturkatastrophen vorhersagen.

Was will Gott uns durch das Tsunami Unglück sagen?

Die Antwort finden wir in Jesu Worten zu der Tragödie, bei der 18 Personen erschlagen wurden, als der Turm von Siloah auf sie einstürzte: „Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen“ (Lk 13,5). Jesus verschwendete nicht seine Zeit mit Diskussionen darüber, wer für die Tragödie zur Rechenschaft zu ziehen war. Vielmehr erinnerte er seine Zuhörer daran, dass Tragödien die Menschen wachrütteln sollen, damit sie Buße tun.
Die gegenwärtige Verstärkung von Naturkatastrophen und solchen, die der Mensch selbst verursacht, muss als klares Zeichen einer letzten Warnung Gottes an die Menschheit vor dem bevorstehenden Gottesgericht verstanden werden. Diese Katastrophen sagen uns, wie die Erfahrung antiker Völker zeigt: Gott wird nicht mehr die Rebellion und Bosheit der Menschen zulassen (1 Mo 15,16). Bald wird Jesus kommen, um den unheimlichen Krisen, die unseren zerbrechlichen Planeten in den Abgrund stürzen, ein Ende zu bereiten (Rö 8,19-22). Und das wird bald geschehen. „Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen, die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt“ (2 Pt 3,11.12).

Samuele Bacchiocchi, Ph. D.
Übersetzung: Schw. Mayer

 
 
 
 
 
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