Wir kommen der Wiederkunft Christi immer näher. Angesichts der Ereignisse um uns herum, die sich mit fast unwirklicher Geschwindigkeit entwickeln, ist es leicht, sich in einer falschen Sicherheit zu wiegen. Auf der Grundlage biblischer Prophetie haben wir als Siebenten-Tags-Adventisten schon seit langem davor gewarnt, dass die Prinzipien der Trennung von Staat und Kirche abgeschafft werden. Seit langem weisen wir darauf hin, dass die protestantischen und die evangelikalen Kirchen mit der Römisch-katholischen Kirche eine Koalition eingehen werden. Diese Koalition wird ihre Religion vorantreiben, indem sie den Staat als Polizisten benutzt. Die Folge dieser Allianz wird ein Wiederaufleben religiöser Verfolgung Andersgläubiger sein, wie es im finsteren Mittelalter der Fall war.
Im September 1992 trafen sich mehrere wohlbekannte evangelikale Protestanten mit Vertretern der Römisch-katholischen Kirche, um ihre gemeinsamen Überzeugungen bezüglich des christlichen Glaubens und der christlichen Mission zu besprechen. 1994 verfassten sie das Dokument “Evangelikale und Katholiken vereint: Die christliche Mission im dritten Jahrtausend” (Evangelicals and Catholics Together: The Christian Mission in the Third Millennium). Dieses Positionspapier hat Protestanten und Katholiken zum Zweck der Verfolgung gemeinsamer geistlicher Ziele offiziell und geistlich vereinigt.
Der Angriff auf den ersten Verfassungszusatz (Trennung von Staat und Kirche) ist erbarmungslos. Die Berufung von Richtern zum amerikanischen Bundesverfassungsgericht hat darüber hinaus die Entschlossenheit Amerikas geschwächt, seine fundamentale Daseinsberechtigung zu schützen. Herr Renquist, vorsitzender Richter dieses Gerichts, hat gesagt, dass die Mauer der Trennung ausdrücklich aufgehoben werden sollte. Ein weiterer Verfassungsrichter, Mr. Scalia, hat sich mit seiner Idee zu Wort gemeldet, dass die Religionsfreiheit ein Luxus sei, den wir uns nicht mehr leisten können.
Menschen, die im letzten November bei der Präsidentschaftswahl die Wahllokale verließen, wurden gefragt, nach welchen Gesichtspunkten sie gewählt hatten. Die meisten gaben moralische Gründe an. Es wird viel geredet über die Spaltung in der amerikanischen Politik. Die Wirtschaft ist durch das Thema “Kirche” in den Hintergrund gedrängt worden. Als Christen können wir froh sein, dass es ein so reges Interesse an moralischen Fragen gibt. Wir anerkennen, dass die Regierung die Verantwortung hat, die letzten sechs der Zehn Gebote durch Gesetze zu regeln. Die Freiheit erfordert Respekt vor dem Leben und Eigentum anderer Menschen.
Das ist jedoch nicht das wahre Ziel. Diese kirchlichen Koalitionen wollen einen “christlichen Staat”. Das ist nicht schlecht, solange die Menschen sich als einzelne dafür entscheiden können, ob sie Christen sein wollen oder nicht. Aber darum geht es ihnen nicht. Sie wollen Bundesgesetze, die offen die christliche Kirche unterstützen und fördern. Im Grunde genommen wollen sie geistliche Erneuerung oder Erweckung durch Gesetzgebung ersetzen. Solche Vorstellungen werden natürlicherweise eine Verfolgung nach sich ziehen. Diese Position läuft der Verfassung zuwider, in der Freiheit gesetzlich garantiert ist.
Der gegenwärtige Krieg gegen den Terror macht die Dinge noch komplizierter. Wiederum aus bester Absicht hat sich ein neues Denken entwickelt. In einer Befragung durch den U.S. Senat ist der neue Justizminister Fragen zu seiner Einstellung zu Folter ausgewichen. Es ist kein Geheimnis, dass die Misshandlung von Gefangenen im Irak durch die Haltung der CIA und des Verteidigungsministeriums gefördert wurden. Man bedenke, was in Guantanamo, Kuba, passiert ist. In dem provisorischen Gefängnis auf dem amerikanischen Militärstützpunkt sind Hunderte ohne Anklage auf unbestimmte Zeit festgehalten und nicht nach der Genfer Konvention behandelt worden, bis das amerikanische Verfassungsgericht erklärt hat, dass diese Praxis nicht fortgesetzt werden könne. Es ist außerdem eine bekannte Tatsache, dass die CIA Folter durch einen Prozess “outsourced”, den man als “Übergabe” (rendition) bezeichnet. Sie schicken Gefangene einfach in solche Länder, die kein Problem damit haben, in Verbindung mit ihren Verhören Folter anzuwenden.
In der Vergangenheit hatte diese große Nation, diese Bastion der Anständigkeit und Tugend, nur eine Antwort auf die Frage nach den Menschenrechten: “Ist der Einsatz von Folter okay?” Die Antwort sollte sehr einfach sein: Nein! Punkt! Doch unser moralisches Denken wird jetzt durch die Frage nach der Relevanz gesteuert. Für viele ist Folter akzeptabel, wenn…. Vor einigen Jahren wären christliche Prediger bei dem leisesten Hinweis auf staatliche Folter mit moralischer Macht auf die Kanzel gestiegen. Heute schweigen die meisten protestantischen und evangelikalen Stimmen in Amerika auf erschreckende Weise. Auch die Katholiken schweigen. Aber ihr Schweigen ist aufgrund ihrer aktuellen Verteidigung der Inquisition nicht so überraschend (siehe Inquisition online bei Catholic Encyclopedia).
Die Bösen, ob religiös oder nichtreligiös, haben immer Folter eingesetzt. Aber wir Protestanten sollten doch eigentlich die Guten sein. Wenn jedoch Prinzipien im Namen des öffentlichen Wohls prostituiert werden, wenn es okay ist, die Methoden der Bösen zu benutzen, um die Guten zu schützen, dann sind wir alle dabei, uns in Böse zu verwandeln. Darum geht es in Offenbarung 13.
Die letzten Ereignisse der Weltgeschichte entfalten sich vor unseren Augen. Angesichts dieser sich zuspitzenden Entwicklungen müssen wir noch wachsamer sein.
Jay Gallimore
Vorsteher der Michigan Vereinigung, USA
Veröffentlicht in: Michigan Memo – Official Newsletter for the Michigan Conference of Seventh-day Adventists: März 2005, Band 17, Nr. 3, S. 2



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